ander überein, aber fraglos bleibt, daß es sich um Prinzipien für dreiverschiedene Gebiete des Kulturlebens handelt, die in ihrer Ver-schiedenheit die Eigenart und zwar den Eigenwert der Kulturgebietezum Ausdruck bringen. Die „quaestio iuris“ wird gestellt. Das kri-tische Denken verfährt wie überall wertphilosophisch.
Das entscheidet bei der Antwort auf unsere Frage. Kant will denSinn des menschlichen Lebens nicht überall auf Gesetze zurück-führen, die für das Erkenntnisvermögen maßgebend sind. Diesetheoretischen Gesetze gelten lediglich für die „Natur“, d. h. für dieErfahrungswelt, wie sie von den Naturwissenschaften erkannt wird.Völlig unabhängig davon bestehen Prinzipien für die atheoretischenGebiete des Kulturlebens, dessen Produkte dadurch volle Selbstän-digkeit und in sich ruhenden Eigenwert erhalten. Genau das abermüssen wir von einer Philosophie der im angegebenen Sinne mo-dernen Kultur verlangen, denn das moderne Kulturbewußtsein for-dert, wie wir gesehen haben, für die Arbeit, die der Kulturmenschauf den verschiedenen Kulturgebieten leistet, Selbständigkeit undAnerkennung des Eigenwertes der objektiven Kulturgüter, die durchdiese Arbeit entstehen.
Einer solchen Forderung entspricht also das Denken Kants imPrinzip durchaus, und wir müssen jetzt nur noch Zusehen, wiesich seine Philosophie unter diesem Gesichtspunkt im Einzelnen beider Behandlung der verschiedenen Kulturgebiete gestaltet.
Für die Wissenschaft kennen wir bereits das, worauf es ankommt.Kants theoretische Philosophie ist Erkenntnislehre, und die Auto-nomie des Wahrheitswertes steht für ihn jederzeit fest. Er selbsttreibt Wissenschaft, wie die Griechen es taten, mit Rücksicht aufden theoretischen Menschen, den objektiven, mythenfreien Erkennt-niszusammenhang und den Begriff als Erkenntnismittel. Besondersin der letzten entscheidenden Hinsicht hat er sich unzweideutig ge-äußert. Anschauungen ohne Begriffe sind für ihn „blind“, d. h. bleibentheoretisch indifferent, lassen theoretisch nichts erkennen oder„sehen.“ Wenn Kant umgekehrt mit demselben Nachdruck die Leer-heit des Begriffs ohne Anschauung hervorhebt, so kommt in dieserBeschränkung der Erkenntnis auf die anschaulich gegebene Materienur dasselbe Prinzip zum Ausdruck, das ihn zur Ablehnung desgriechischen Intellektualismus führte. Kants Begriff des Erkennens