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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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Wodurch es kam, daß trotzdem auch die psychologische Dreitei-lung in Kants Philosophie eine wesentliche Rolle spielt, ist einehistorische Frage, die uns in diesem Zusammenhang nichts angeht.Es gibt, wie jeder weiß, manche Teile des Kantischen Systems, dieman erst von ihrem geschichtlich bedingtenBuchstaben befreienmuß, um zu ihrem übergeschichtlichenGeist vorzudringen, undviel auffallender als das inadäquate Gewand, das die Gedanken beiKant selbst noch haben, ist der Umstand, daß in der Folgezeit auchso selbständige Denker wie z. B. Cohen und Windelband gerade indiesem Punkt am Buchstaben Kants festgehalten haben, wo er dochdem antipsychologistischenGeist des Kritizismus offenbar wider-spricht. Doch auch das mag unerörtert bleiben, und ebensoweniglegen wir darauf Gewicht, daß Kants psychologische Dreiteilungnicht von ihm selbst stammt, sondern den Theorien relativ unbedeu-tender Zeitgenossen entnommen ist. Man könnte fragen, ob sie beiKant in Wahrheit noch Psychologie gibt, oder ob in ihr nicht etwasganz anderes zum Ausdruck kommt als eine Gliederung des seelischenGeschehens mit Rücksicht auf dessen empirische Realität. Der Ge-danke liegt nahe, es sei zu der Unterscheidung von Vorstellungsver-mögen und Begehrungsvermögen, d. h. zu der alten Gegenüberstel-lung von Kontemplation und Aktivität, als drittes dasGefühl des-wegen hinzugefügt, weil es Verhaltungsweisen gibt, die mit Rück-sicht auf ihren Sinn in der Alternative von Aktivität und Kontern-

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plation nicht untergebracht werden können. Doch, wie es sich da-mit auch verhalten möge, sachlich steht jedenfalls fest: die Unter-schiede im subjektiven Sein werden philosophisch erst bedeutsamdurch die Beziehung des Subjektes auf einen objektivenGehalt von Sinngebilden.

Fassen wir daher sogleich die Prinzipien a priori, von denen Kantredet, ins Auge. In ihnen, nicht in der psychologischen Dreiteilung,steckt das Wesentliche für die Philosophie der Kultur, und wir brau-chen es nicht erst (wie bei Dilthey das Geschichtliche) aus der psycho-logischen Umkleidung herauszulösen, denn Kant selbst gibt es aus-drücklich an. Drei Arten von Prinzipien kennt er, die von ihm ne-beneinander gestellt werden, und von denen zunächst keine deranderen über- oder untergeordnet werden darf. Die Bezeichnungenstimmen in den verschiedenen Formulierungen nicht ganz mitein-