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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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Denken wir wieder daran, wie in diesen Zeiten griechische Wissen-schaft, römisches Staatsleben und christliche Religion auseinander-treten, und welchen Sinn es hat, den objektiven Gehalt der drei Kul-turmächte, die sich von neuem verselbständigen, mit den drei Seitender Menschennatur, dem Denken, Wollen und Fühlen in Verbindungzu bringen. Dann wissen wir gleich, an welche Gedanken Kants wir unsjetzt zu halten haben. Ja der entscheidende Punkt wurde schon er-wähnt. In der Einleitung zur Kritik der Urteilskraft und in der Ab-handlung über Philosophie überhaupt gibt Kant selbst eine Gliede-rung seines Systems, und wir brauchen nur die Tafel ins Auge zufassen, die dort, um dieUebersicht zu erleichtern, von ihm aufgestelltist, dann dürfen wir sagen: schon in ihr wird das Prinzip einer spezi-fisch modernen Kulturphilosophie in der für unsere Fragestellungwesentlichen Hinsicht wenigstens implicite zum Ausdruck gebracht,denn das Wesen auch der atheoretischen Kultur ist hier inhaltlich inseiner Eigenart so gekennzeichnet, daß es sich deutlich von dem derwissenschaftlichen Forschung abhebt.

Vorangestellt sind dabei von Kant die dreiVermögen des Ge-müts, das Vorstellungsvermögen, das Gefühl der Lust und Unlustund das Begehrungsvermögen. Das erinnert anDiltheys Gliederung,die auch wir benützten. Ja in veränderter Reihenfolge haben wirhier dieselbe psychologische Einteilung des Seelenlebens in Denken,Wollen und Fühlen, deren Sinn wir bereits zu verstehen suchten.Zugleich muß klar geworden sein, daß, solange wir solche Begriffe nurpsychologisch nehmen, mit ihnen für eine Gliederung der Philoso-phie, wie Kant sie versteht, noch nichts zu machen ist. Kant wolltedenn auch Denken, Wollen und Fühlen nicht etwa als seelische Tat-sachen mit Rücksicht auf ihren faktischen Bestand oder Verlauf, alsopsychologisch untersuchen, sondern die verschiedenen Seiten desSubjekts interessierten ihn soweit, als es für sie verschiedenePrinzi-pien a priori gibt. Diese aber sind auf einen objektiven Gehaltanzuwenden, der dadurch einen vom faktischen Seelenleben völligunabhängigen Bestand bekommt. Anders kann eine Philosophie derKultur nicht verfahren, wo sie vom psychischen Sein redet!).

1) Vgl. oben das sechste Kapitel über Denken, Wollen, Fühlen. S. 62 ff. WerKantsTafel nicht genau gegenwärtig hat, wird gut tun, sie unter denhier angegebenen Gesichtspunkten zu studieren. Sie ist für unsern Zusammen-hang sehr wichtig.