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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
Entstehung
Seite
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lieh, daß die Welt selber irgendwie mit dem zusammenfällt, was derIntellekt von ihr erfaßt. N u r die Formen der Gegenstände, die wirerkennen, sind intellektuell. Ihr I n h a 11 dagegen ist es nicht. Soweites sich um erkennbare Gegenstände handelt, stellt er sich vielmehrals sensibel dar, weil nur ein sinnlicher Inhalt, der uns unmittelbargegeben ist, sich in die Form unseres Intellekts bringen und da-durch als Gegenstand erkennen läßt. Von einem intelligiblen Inhaltdes Wesens der Welt wissen wir nach Kant nichts, und können wirtheoretisch erkennend nichts wissen. Wir erkennen immer nur dieSinnenwelt, und das übersinnliche Wesen bleibt dem erkennendenIntellekt völlig unzugänglich. Falls das zutrifft, ist damit dergriechische Intellektualismus, der es den Metaphysikern der Neuzeitunmöglich machte, die moderne Kultur zu verstehen, gründlich be-seitigt.

Daß dies der Sinn von Kants Lehre ist, kann nicht bestrittenwerden. Leider hat Kant für das Wesen der Welt, das man im Grie-chentum als logisch oder intellektuell ansah, den Namen desIntelligibeln beibehalten, und das ist einigermaßen verwirrend.DasWort paßt nach Kants Lehre auf das dem Intellekt unzugäng-liche Reich sowenig wie möglich, und daß er es trotzdem zu seinerBezeichnung benutzt, läßt sich allein daraus verstehen, daß seinGeistzweier Zeiten Schlachtgebiet war. In der Terminologie oftwenig glücklich, verwendete er für seine neuen Begriffe die alten,durch ihn für sie sinnlos gewordenen Wörter. Wir dürfen bei demAusdruck intelligibel nach Kant nur noch an das U e b e r sinn-liche denken und nicht an das, was das Wort eigentlich bedeutet.

Sachlich steht fest: dasan sich der Welt ist nur unter den grie-chischen Voraussetzungen intelligibel zu nennen, und gerade siehat Kant zerstört. Ihm ist das Weltwesen unerkennbar, also nichtdas, was der Intellekt als intelligibel erfaßt. Soweit die rein theore-tische Philosophie in Betracht kommt, bleibt demnach vom Grie-chentum bei Kant nur der Name für das Absolute, und diese Ter-minologie darf den Kernpunkt nicht verhüllen. Beim Erkennen sindwir auf die Sinnenwelt angewiesen, deren Inhalt wir nach Regeln inFormen unseres Intellekts denken. Lediglich die Formen der s i n n-liehen Gegenstände bleiben also intellektuell. Das aber be-deutet den denkbar größten Gegensatz zur griechischen Weltan-