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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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Abbilden für sich bestehender Gegenstände, sondern das Formeneines Inhaltes nach Regeln, die gelten. Damit wird begreiflich, wienicht nur in bezug auf den Inhalt, sondern auch in bezug auf dieForm die Erkenntnis mit dem Gegenstandübereinstimmt, und wietrotzdem von einem Abbildverhältnis zwischen Gegenstand und Er-kenntnis nicht mehr geredet werden darf, denn das kopernikanischesich Richten des Gegenstandes nach der Erkenntnis mit Rücksichtauf die Form besteht ja darin, daß der Gegenstand dieselbeForm hat wie seine Erkenntnis. Die Ersetzung der Gleichheit durchdie Identität stellt somit die Voraussetzung, auf welcher dergriechische Intellektualismus wie auf etwas völlig Selbstverständ-lichem beruhte, in Frage, und trotzdem wird die Objektivität derErkenntnis dadurch in keiner Weise skeptisch angetastet.

Doch auch diese Wandlung im Begriff des Erkennens macht nochnicht völlig klar, wie damit der Intellektualismus endgültig beseitigtist. Nur seine Voraussetzungen scheinen in Frage gestellt, er selberaber noch nicht in jeder Hinsicht widerlegt. Ja man könnte meinen,es ergäbe sich jetzt mit Notwendigkeit eine neue, radikal intellek-tualistische Deutung des Erkennens, die nicht nur die Welt demIntellekt gleichen läßt, der sie begreift, sondern sie mit ihmidentisch setzt. Alles scheint jetzt vollendsintelligibel ge-worden. Die Formen der Gegenstände sind ja gerade nach KantsAuffassung als Formen des logisch denkenden Subjekts oder alstheoretische Kategorien durchaus intellektuell, und die Gegenständehaben daher mit Rücksicht auf ihre Form nach wie vor einenlogischen oder intellektuellen Charakter.

So ist es in der Tat, und diesen Charakter dürfen sie auch nichtverlieren, falls sie nicht aufhören sollen, theoretische Ge-genstände oder Objekte der Erkenntnis zu sein. Dennoch be-steht gegenüber dem griechischen Intellektualismus mit Rücksichtauf den für uns entscheidenden Punkt ein prinzipieller Unterschied,ja Gegensatz. Die im Sinne Kants erkannten und intellektuell ge-formten Gegenstände können nicht mehr als das betrachtet werden,was das Wesen der Welt ausmacht, wie esan sich besteht,und wir haben daher keinen Grund mehr, anzunehmen, die Weltmüsse in ihrem tiefsten Grunde als ein Inbegriff von intelligiblenGegenständen gedacht werden. Ja es wird jetzt geradezu unmög-

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