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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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hat, auf Grund deren nicht nur der Intellektualismus zu überwindenund die atheoretischen Kulturgebiete überhaupt zu würdigen sind,sondern die ein theoretisches Verständnis auch des völlig irrationalenGehaltes ermöglichen, den manche Teile der modernen Kultur zei-gen. Damit stoßen wir zugleich auf den Punkt, der es verbietet, dieGliederung unserer geschichtsphilosophischen Konstruktion ohneEinschränkung zur Kennzeichnung des Kritizismus zu benutzen.Man wird nämlich mit Recht sagen, Kants Auffassung des religiösenLebens sei einseitig moralistisch und infolgedessen auch einseitigrationalistisch gewesen, entspreche also dem modernen Kulturlebenin religiöser Hinsicht nur sehr unvollständig.

Fehlt darum der Kantischen Philosophie überhaupt die Möglich-keit, das Irrationale in der modernen Kultur zu würdigen ?

Es gibt noch ein anderes irrationales Gebiet außer der Religion,das in unserem geschichtsphilosophischen Zusammenhang bisherkeine wesentliche Rolle gespielt hat, weil seine Kulturbedeutungnicht so umfassend ist wie die der Wissenschaft, des Staates und desChristentums. Von ihm ist jetzt zu reden, denn an ihm wird die Be-deutung der Kantischen Begriffe auch für ein Verständnis der völligirrationalen Kulturfaktoren deutlich.

Kant hat das Wesen der Kunst, das ihm persönlich von allenGütern, die er untersuchte, wohl am fernsten lag, in seiner irrationa-len Eigenart tiefer begriffen als irgend ein Denker vor ihm, und daswird für die Totalität des Kantischen Philosophierens in ihremVerhältnis zur modernen Kultur von prinzipieller Bedeutung. WerKant generalisierend einen einseitigen Rationalisten nennt, hat vonder Kritik der Urteilskraft nichts verstanden und steht dem G a n-z e n des Kantischen Geistes ahnungslos gegenüber. Mit Rücksichtauf die dritte Kritik muß gesagt werden: es gab vor Kant keinenstreng wissenschaftlichen Philosophen in Europa, dessen Denkenauch nur annähernd so vielseitig und so differenziert im Sinne desmodernen Kulturbewußtseins war wie das seinige, denn von ihm sindBegriffe herausgearbeitet worden, mit deren Hilfe sich sogar völligirrationale Seiten des Kulturlebens theoretisch verstehen und be-grifflich zum Ausdruck bringen lassen.

So dürfen wir schließlich doch behaupten, daß für alle drei Mo-mente, die sich im Leben der Neuzeit miteinander verbinden, die