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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
Entstehung
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religiöse ebenso wie für das wissenschaftliche Leben faktisch voll-zogen hat, auf Grundlage der Kantischen Philosophie von einem be-wußt vielseitigen Denken theoretisch verstehen und anerkennen.

Doch bei einer so allgemeinen Formulierung dürfen wir nichtstehen bleiben. Der Begriff des atheoretischen Kulturgebietes, fürdas auf dem Boden der Kantischen Philosophie ein theoretisches Ver-ständnis möglich wird, ist noch zu unbestimmt und bedarf selber derDifferenzierung, wenn vollständig zutage treten soll, in wie hohemMaße Kant als Philosoph der modernen Kultur gelten kann.

Man nennt Kant einen Rationalisten, und falls man dies Wort rich-tig versteht, hat das einen guten Sinn. Aber wie wir bereits sahen,ist der Ausdruck vieldeutig, und es wird nun für die Würdigung desKantischen Denkens von entscheidender Wichtigkeit, daß wir in i hmdie Trennungen durchführen, die wir früher mit Rücksicht auf denBegriff der ratio gemacht haben. Es gibt, wie wir sahen, einen Ra-tionalismus auch auf atheoretischen Gebieten, und der kann beste-hen, ohne daß er deren konstituierende Eigenwerte antastet. DerVerstand bleibt dann im Dienst außerverstandesmäßiger Ziele.

Wenn Kant also rationalistisch dachte, so sagt das in keiner Weise,daß er darum Intellektualist war. Das ist besonders bei der Beurtei-lung seinerpraktischen Philosophie zu berücksichtigen. Man kannsie als rationalistisch bezeichnen, und trotzdem fehlt ihr das Ver-ständnis für die atheoretischen Eigenwerte des sittlichen Lebenskeineswegs. Im Gegenteil, die Bedeutung derpraktischen Ver-nunft ist von Kant in einem Maße anerkannt, ja in den Vorder-grund gestellt worden, wie noch niemals zuvor in einem strengwissenschaftlichen System. Auch als Rationalist bleibt Kant daherdurchaus ein Philosoph der modernen Kultur. Man braucht, umsogleich zu verstehen, wie das gemeint ist, nur daran zu denken, daßalles, was von Rom her in das moderne Kulturleben eingegangen ist,einen eminent rationalistischen, aber gar nicht intellektualistischenCharakter trägt.

Andererseits gibt es freilich, wie wir gesehen haben, außerdem Ge-biete der Kultur, denen selbst ein ausgesprochen atheoretischer Ra-tionalismus nicht gerecht zu werden vermag, weil sie ihrem Wesennach jeder Rationalisierung widerstreben. Daher muß die wei-tere Frage gestellt werden, ob Kant auch Begriffe herausgearbeitet

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