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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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Intellektualismus geführt hatten, und daß er das nicht etwa, wie esschon früher geschehen war, durch eine skeptische Auflösung desErkenntnisbegriffs oder durch eine Herabsetzung des theoretischenWertes zugunsten der irrationalen Mächte des Lebens tat, sonderndurch eine streng wissenschaftliche Untersuchung. Mit Hilfe des Intel-lekts wird hier also der Intellektualismus überwunden, oder genauer:eine Theorie des Erkennens ist es, die den Voraussetzungen ein Endemacht, nach denen man annehmen mußte, das Wesen der Welt selbsttrage einen theoretischen, erkenntnismäßigen Charakter. So erst er-hält die Ueberwindung der griechischen Weltanschauung eine Be-deutung für die w i s s e n s c h a f 11 i e h e Philosophie der Kultur.

Hieraus wird deutlich, wie die kritische Philosophie schon als L o -g i k mit den letzten Weltanschauungsfragen in unmittelbarer Verbin-dung steht, und es ist notwendig, daß wir das stets im Auge behal-ten. Das Wortkritisch ist vieldeutig. In unserem Zusammen-hang bekommt es einen bestimmten Sinn. Wir brauchen es zunächstim Gegensatz zudogmatisch einerseits, zuskeptisch anderer-reits, wie Kant selbst das getan hat. Dann bezeichnet es eine Theo-rie, die den Intellekt in bestimmter Weise begrenzt, und wirverstehen, daß schon sie für Kants Stellung zur modernen Kulturvon ausschlaggebender Wichtigkeit ist. Indem sie den griechischenIntellektualismus nicht durch einen Akt der Willkür oder durcheine skeptische Zersetzung der Erkenntnis beiseite schiebt, sondernihm zum erstenmal streng wissenschaftlich ein Ende macht, bringtsie damit dem theoretischen Menschen eine Befreiung, derenTragweite für den Aufbau einer im besten Sinn des Worts moder-nen Kulturphilosophie nicht leicht überschätzt werden kann. Eswird jetzt möglich, nicht allein den Eigenwert der Wahrheit anzuer-kennen und in dem Sinn Wissenschaft zu treiben, wie die Griechenes getan haben, sondern zugleich auch Platz zu schaffen für dieatheoretischen Werte in ihrer Selbständigkeit, die insbesondere dempolitischen und dem religiösen Leben seine Eigenbedcutung ver-leihen. Alles Kulturleben, das außerhalb des Intellekts liegt, mag eseinen noch so irrationalen Charakter tragen, kann, ohne in seinemEigenwesen irgendwie angetastet zu werden, in der Theorie der Kul-tur zur Geltung kommen. Insbesondere braucht das Irrationale nunnicht mehr ins Antirationale oder Paradoxe umzuschlagen, wo man

Bickert, Kant. 10