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er gar den Standpunkt der Weltanschauung, die ihn zum Ueber-winder der Aufklärung macht, bereits völlig konsequent durch-geführt habe. Es finden sich bei ihm gewiß noch einseitig rationa-listische Wertungen, ja sogar Reste eines einseitigen Intellektualis-mus. Trotzdem liegt seiner Art des Philosophierens im Ganzen einneues Pathos zugrunde, und das äußert sich auch bisweilen inunzweideutiger Art.
So kommt die Universalität der Wertung, die das neue Pathosfordert, um nur ein Beispiel zu nennen, in den bekannten Wortenzum Ausdruck: „Ich bin selbst aus Neigung ein Forscher, ich fühleden ganzen Durst nach Erkenntnis und die begierige Unruhe, darinweiterzukommen, oder auch die Zufriedenheit bei jedem Fortschritt.Es war eine Zeit, da ich glaubte, dies alles könne die Ehre der Mensch-heit machen, und ich verachtete den Pöbel, der von nichts weiß.Rousseau hat mich zurecht gebracht. Dieser verblendete Vorzugverschwindet, ich lerne die Menschen ehren.“ Der schlichte Sinnsolcher Sätze gewinnt eine große Tragweite, wenn man an ihm beider Betrachtung des Kulturlebens, das Kant umgab, stets festhält,und von hier aus versuchen wir daher, dieKantische Philosophie mitRücksicht auf ihr Verhältnis zur modernen Kultur darzustellen.
Doch das entscheidende Moment für die Philosophie stecktselbstverständlich nicht im Pathos, sondern im wissenschaftlichenGehalt, und ihn gilt es, zu vergegenwärtigen. Wir deuten zunächstschematisch an, wie mit Rücksicht auf ihn unsere Darstellung desKantischen Denkens sich gliedert.
Ausgehen müssen wir von dem rein theoretischen Teil, d. h. vonKants Wissenschaftslehre. In ihr hält Kant streng an dem Begriffder griechischen Wissenschaft fest, d. h. er sucht nach Wahrheitum der Wahrheit willen, und nie kommt es ihm in den Sinn, denEigenwert der Erkenntnis anzutasten. Daran konnte auch der Ein-druck, den Rousseau auf ihn machte, nichts ändern. Insofern hat ermit Rousseau nichts gemein und ist zu den modernen Philosophenim Sinne der Renaissance zu rechnen.
Aber darin haben wir zugleich nur die eine Seite seines Denkens,und mit ihr steht er ja auch nicht allein. Seine einzigartige Bedeu-tung für uns beruht darauf, daß er die Voraussetzungen zerstörte,die in Griechenland von der Wissenschaft zur Weltanschauung des