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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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men, daß innerhalb seines Denkens eine WeltanschauungPlatz hat, die wir als spezifisch modern bezeichnen können, und zwarberuht ihr moderner Zug darauf, daß in ihr eine besondere Art desWertbewußtseins zum Ausdruck kommt, die dem modernenKulturbewußtsein entspricht. Wir weisen daher zunächst im In-teresse begrifflicher Klarheit ausdrücklich auf die Wertgrundlagender Kantischen Weltanschauung hin, soweit sie modern sind, undzwar versuchen wir, dabei wieder durch Abgrenzung gegen die Wert-grundlagen der anderen Arten der Weltanschauung weiterzukom-men, da solche Vergleiche stets lehrreich sind.

Zu diesem Zweck fassen wir einen besonderen Punkt ins Auge, dersymptomatische Bedeutung hat. Mit jeder Weltanschauung ist einPathos verknüpft, in dem ihre Wertvoraussetzungen am deutlich-sten zutage treten. Nach den Werten, die gewertet werden, könnenwir nun als für uns wesentlich drei Arten von Weltanschauungs-pathos unterscheiden. Die beiden ersten traten uns in ihrem Anta-gonismus schon früher, besonders in der Aufklärungsphilosophie ent-gegen, und es kommt jetzt darauf an, das Pathos der ^KantischenWeltanschauung gegen beide abzugrenzen. Dem dienen die folgen-den Bestimmungen.

Das erste Pathos ist das rein theoretische, wie es z. B. Spinozazeigt, von dem Nietzsche sagt: amore dei, selig aus Verstand. Weilalle anderen Werte als die intellektuellen von ihm abgelehnt oderfür unwesentlich gehalten werden, und weil das rein theoretischePathos, wo man den Begriff der Wahrheit nicht als Begriff einesWertes verstanden hat, gewöhnlich nicht alsPathos gilt, kannman es auch das Pathos der Pathoslosigkeit oder der bloßen Theorienennen. Es ist das Pathos des Intellektualismus und beruht auf derUeberzeugung, daß der theoretische Wert der Wahrheit der Wertaller Werte oder der einzig gültige Wert sei. Davon war ausführlichdie Bede.

Ihm steht das antitheoretische Pathos schroff gegenüber. Auchdieses haben wir bereits kennen gelernt, und zwar in jenen anti-intellektualistischen und antirationalistischen Strömungen, wie sie,in der rationalistischen Kultur Europas immer wiederkehrend, zu-letzt als Kontrasterscheinung in der Aufklärung des 18. Jahrhun-derts und auch in unserer Zeit eine Rolle spielen. Gefühl, Wille,