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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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der Kultur, und es konnte nicht anders sein, solange man an denVoraussetzungen festhielt, die in Griechenland zum Intellektualis-mus geführt hatten. Sie schlugen das philosophische Denken derNeuzeit in Fesseln. Die auch in ihrer Weltanschauung vom Grie-chentum abhängige Wissenschaft stand dem durch nicht-griechischeEinflüsse differenzierten modernen Kulurbewußtsein notwendigverständnislos gegenüber. Ihre höchste Leistung für die allgemeineKultur blieb eine Befreiungsarbeit: die Traditionen der Vorzeit, diesich der Entwicklung hemmend in den Weg stellten, wurden theo-retisch zersetzt. Die positiven Kulturmächte dagegen, soweit sienicht an der Realisierung theoretischer Werte arbeiteten, insbeson-dere der moderne Staat, der an das Römertum anknüpfte, und diemoderne Religion, die mit dem ursprünglichen Christentum Fühlungsuchte, konnten von der in ihrer Weltanschauung entweder grie-chisch-intellektualistisch gebliebenen oder skeptisch und antiwissen-schaftlich gerichteten Philosophie der Neuzeit wissenschaft-lich nicht gewürdigt werden. Zwischen dem Intellektualismus derNeuzeit und dem allgemeinen Kulturbewußtsein der modernen Weltbestand eine unüberbrückbare Kluft. Deshalb mußten die nicht in-tellektualistisch orientierten modernen Bewegungen zu einer Wissen-schaft, die von den Werten und Idealen der modernen Welt nichtsverstand, in ein feindliches Verhältnis geraten, und insofern war esebenfalls eine Notwendigkeit, daß die Philosophie mit ihrer einseitiggriechischen Weltanschauung Gegner ins Feld rief, die nun ebensoeinseitig nicht allein die intellektualistischen Gedanken, sondern dieWissenschaft überhaupt bekämpften.

Damit ist der entscheidende Punkt klar. Solange in der Philoso-phie die Verbindung zwischen wissenschaftlicher Forschung undgriechischer Weltanschauung nicht grundsätzlich gelöst und dannder Versuch gemacht war, durch die Wissenschaft zu einer Würdi-gung auch des vom Römertum und Christentum beeinflußten atheo-retischen Kulturlebens zu kommen, konnte sich an diesem Zustandnichts ändern. Es fehlte der Philosophie die theoretischeGrundlage, die es ihr möglich machte, sich in Harmonie mitdem modernen Kulturbewußtsein zu setzen, d. h. sein Wesen wissen-schaftlich zu verstehen und es dann in einer umfassenden Philoso-phie begrifflich zu klären.