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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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stische Bewegungen auftauchen, wo man das rationalistische Prin-zip auf die Spitze trieb und dadurch die irrationalen Mächte des Le-bens zum Kampf geradezu herausforderte. Wir konnten das am An-fang für die Gegenwart feststellen und stoßen jetzt von neuem aufgeistige Bewegungen dieser Art auch in der Aufklärungszeit. Es istdaher, damit unsere Darstellung der vorkantischen Philosophie zumAbschluß kommt, außer den dogmatisch intellektualistischen undden skeptisch sensualistischen Tendenzen noch eine dritte Richtungzu erörtern, die wie der Sensualismus zu einer Zerstörung des Intel-lektualismus führte, und die schon aus diesem Grunde unsere Auf-merksamkeit verdient. Sie gehört in mancher Hinsicht zu dem Be-deutsamsten, was die Philosophie der Neuzeit vor Kant hervorge-bracht hat. Wir müssen hier nur verstehen, weshalb auch durch sieeine wissenschaftliche Philosophie der modernen Kultur nicht ent-stehen konnte.

Bisher haben wir uns absichtlich auf die rein wissenschaftlichenBestrebungen beschränkt und damit nur einen kleinen Teil des gei-stigen Lebens der Aufklärung ins Auge gefaßt, denn grade das ist fürdie ganze erste Periode der Neuzeit charakteristisch, daß die wissen-schaftliche Philosophie in ihr weit davon entfernt ist, ein theoreti-scher Ausdruck der gesamten Kultur zu sein. Wir heben das jetztmit Nachdruck hervor, da es zeigt, wie wenig das theoretische Den-ken nach der Renaissance in Harmonie mit dem allgemeinen Kultur-bewußtsein steht, und wie es schon deshalb nicht zu einer Philoso-phie der modernen Kultur führen konnte. Im übrigen bleibt nurnoch die Frage zu beantworten, weshalb auch die gegen den In-tellektualismus und Rationalismus gerichteten Tendenzen in dieserHinsicht nicht fruchtbarer geworden sind, und dazu bedarf es keinereingehenden Darstellung.

Der Grund ist einfach der, daß mit ihnen die Philosophie aufhörte,einen rein wissenschaftlichen Charakter zu tragen. Das verbindetdiesen Antirationalismus mit den extrem sensualistischen Bestre-bungen, von denen wir bereits gesprochen haben, so verschieden seinletztes Motiv auch war. Die einseitig intellektualistische Richtunghatte als Kontrast eine Bewegung hervorgerufen, welche die irratio-nalen Mächte des Willens und des Gefühls gegen denVerstand aus-spielte. Das trat nun auch in der Philosophie zutage. Man braucht