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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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macht für eine unbefangene Würdigung des Menschenlebens in sei-ner Totalität.

Doch haben auch diese, für die spätere Entwicklung und beson-ders für Kant gewiß sehr wichtigen analytischen Vorarbeiten in un-serem Zusammenhang noch keine positive Bedeutung, denn zueiner prinzipiellen Würdigung der atheoretischen Seiten des Kultur-lebens führten diepositivistischen und skeptischen Richtungen derAufklärung so wenig wie die intellektualistischen. Ja ihre Vertreterbeschränkten sich im wesentlichen doch auf den theoretischen Men-schen, insofern sie vor allem bemüht waren, den menschlichen Intel-lekt in Wahrnehmungstätigkeit aufzulösen. Wo sie über das theore-tische Gebiet hinausgingen, fehlte es ihnen ebenso wie den Vertre-tern des gesunden Menschenverstandes an einem neuen philosophi-schen Prinzip, das zum Aufbau einer umfassenden Philosophie dermodernen Kultur hätte führen können. Gewiß sind manche Schrif-ten dieser Zeit an interessanten Einzelbeobachtungen auch desatheoretischen Lebens reich. Aber es blieb bei Einzelbeobachtungen,und in den letzten Prinzipienfragen kamen die Denker, soweit sieüberhaupt philosophische Grundprinzipien hatten, über die früherePhilosophie selbst dann nicht hinaus, wenn ihnen persönlich jedeeinseitig intellektualistische Tendenz fernlag.

So verlief trotz des in vielen speziellen Punkten bewunderungs-würdigen Scharfsinnes die Zerstörung des Intellektualismus sozu-sagen im Sande der Einzelerfahrung, und wo sie das wie bei Humenicht tat, konnte sie vollends für eine Philosophie der Kultur nichtfruchtbar werden, denn je konsequenter man die sensualistischen Ge-danken ausbildete, um so mehr mußte man dazu kommen, an demEigenwert der theoretischen Erkenntnis überhaupt zu zweifeln unddamit nicht allein dieWeltanschauung, sondern auch dieWissenschaftder Griechen völlig problematisch zu machen. Man zerstörte alsozwar den Intellektualismus, aber man griff zugleich die Grundlagenan, auf denen die rein theoretische Erkenntnis überhaupt ruht, undeine wissenschaftliche Philosophie der modernen Kultur, die univer-sal und objektiv verfährt, war auf diesem Wege des Impressionismusgewiß nicht zu schaffen.

Man braucht darum die allgemeine Kulturbedeutung der Aufklä-rung nicht zu unterschätzen. In der negativen Kritik waren sowohl