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wußtsein, daß seine irrationalen Seiten überhaupt Probleme für denenthalten, der das Wesen der menschlichen Kultur universal begrei-fen 'will.
Man versteht das geschichtlich leicht, sobald man daran denkt,daß der führende Geist der Zeit John Locke war. Er hat, ähnlichwie Descartes den Metaphysikern, den meisten der auf ihn folgendenPsychologen die Probleme gestellt, und er übernahm dabei seine ent-scheidenden Begriffe der intellektualistischen Philosophie von Des-cartes, um sie aus dem Metaphysischen ins Anthropologische oderPsychologische umzubiegen. Das Wort von Lockes „verwässertemCartesianismus“ mag hart sein, aber ganz unbegründet ist es nicht.Allerdings wurden die Gedanken Lockes bald entschieden kritisiertund umgebildet. Doch in bezug auf das intellektualistische Prinzipund dessen Unfähigkeit, die irrationalen oder auch nur die außerin-tellektuellen Seiten der Kultur zu verstehen, ist dadurch nicht vielgebessert worden. Wohl sorgte der „gesunde Menschenverstand“bei den meisten Aufklärungsphilosophen dafür, daß es zu einer radi-kalen Zuspitzung des Intellektualismus in der Weise wie bei dengroßen Metaphysikern nicht kam. Die so entstandene Prinzipien-losigkeit führte jedoch in der Kulturphilosophie erst recht nicht wei-ter. Es fehlte an einem neuen positiven Gedanken, der grundsätz-lich den einseitigen Intellektualismus überwand.
Aber auf die bisher charakterisierten Richtungen dürfen wir unsbei einer Erörterung der Aufklärung nicht beschränken, und zwarum so weniger, als in der Philosophie dieser Zeit sich auch Tendenzengeltend machten, die faktisch auf eine Zerstörung des Intellektualis-mus hinauskamen. Die psychologische Zergliederung des mensch-lichen Verstandes führte allmählich dazu, daß man seine Fähigkeit,das Wesen der Welt zu erkennen, immer mehr bezweifelte, undschließlich vertrat man einen extremen Sensualismus, der allem In-tellektualismus abhold zu sein scheint. Man legte den Schwerpunktauf die sinnlichen Wahrnehmungen, die für die Griechen grade dasnicht wahrhaft Reale gewesen waren, und suchte alles Seelenleben,ja alles Sein überhaupt, als zusammengesetzt aus Impressionen undKopien von Impressionen zu verstehen. Da konnte von einer Gleich-setzung des Weltgrundes mit der theoretischen Vernunft in der Tatkeine Rede mehr sein, und es schien so wenigstens die Bahn frei ge-