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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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den einer solchen Metaphysik ist eine umfassende Philosophie, wel-che der Mannigfaltigkeit des differenzierten, auch am Römertumund Christentum orientierten Kulturlebens und dem differenziertenKulturbewußtsein gerecht wird, nicht möglich.

Doch bei den metaphysischen Systemen des Intellektualismusblieb es nicht. Sie traten vielfach zurück, schon bevor Kant sie kri-tisierte. So werden wir vor eine neue Frage gestellt. Besserte sichdie Situation, als die Philosophie begann, sich auf den Menschenzu beschränken? Der Gedanke liegt nahe, daß diese Verengerungdes Horizontes, welche für die anthropologisch oder psychologischgerichteteAufklärung charakteristisch ist, einer Philosophie derKultur günstig gewesen sei, denn auf den Menschen kommt es in ihrdoch vor allem an, und man kann ihn unbefangener betrachten,wenn man ihn nicht von vorneherein als Glied einer Welt ansieht,deren Wesen die theoretische Vernunft ist. Das mag man zugeben,und in der Tat, in bezug auf ihr Verhältnis zum Intellektualismus istdie Lage der Philosophie im Zeitalter der Aufklärung nicht so ein-fach, wie in der Zeit der großen metaphysischen Systeme. Wir müs-sen hier verschiedene Richtungen unterscheiden.

Zum Teil freilich blieb die Auffassung des Seelenlebens von der in-tellektualistischen Metaphysik abhängig, so daß in dieser Hinsichtkeine prinzipielle Aenderung eintreten konnte, und das war um sobedenklicher, als die Psychologen meist nicht wußten, welche Erb-schaft sie angetreten hatten, und wie einseitig oder wie parteiisch siedaher innerhalb der modernen Kultur dachten. Sie sahen vielfachdas logische Denken, als verstünde sich das ganz von selbst, für dasWesentliche im Menschen an. Die Betätigung des Verstandes aufdem theoretischen Gebiet erschien ihnen dann von entscheidenderBedeutung für die Kultur in ihrer Gesamtheit. Besonders in denersten Zeiten zeigt die wissenschaftliche Aufklärungsphilosophie ge-rade bei ihren einflußreichsten Vertretern ein psychologisch abge-schwächtes und verflachtes, aber darum nicht minder intellektuali-stisches Gepräge, und zwar grade dort, wo sie sich mit der mensch-lichen Kulturarbeit beschäftigte. Die Würdigung der atheoretischenKulturgebiete trat zurück, oder man versuchte, das Leben außerhalbdes Intellekts theoretisch umzudeuten. Ja es kam diesen Denkern,die den ganzen Menschen erforschen wollten, oft gar nicht zum Be-

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