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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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die man in bezug auf Einzelheiten machen kann, für unser Problemnicht in Betracht. Descartes kennt nur einen entscheidendenWert, an dem alle Güter zu messen sind, und das ist der Wert dertheoretischen Wahrheit. Dadurch erhält seine Weltanschauungeinen durchaus intellektualistischen und insofern griechischen Cha-rakter, so ungriechisch dieser Mann in anderer Hinsicht gewesen seinmag.

Von Descartes aber bleibt die europäische Philosophie in wesent-lichen Punkten abhängig. Mit seinen Problemen ringen die Meta-physiker bis auf Leibniz, und sie arbeiten bei ihrer Lösung mit seinennur modifizierten Begriffen. Das gilt für die materialistischen Ten-denzen bei Hobbes ebenso wie für den Spiritualismus von Malebran-che und den Okkasionalisten.

Es gilt, um nur noch ein Beispiel zu nennen, nicht minder für denMonismus Spinozas. In allen Grundbegriffen derEthik, diemore geometrico verfährt, tritt ein intellektualistischer Zug zutage,wie er bei den Griechen nicht deutlicher ausgeprägt war. Spinozawollte nicht nur beim Philosophieren die atheoretischen Wertungenzurückdrängen das tut jeder wahrhaft theoretische Menschsondern die Erkenntnis, die der Philosoph anstrebt, ist ihm zugleichdas höchste Gut überhaupt. Sittlichkeit und Frömmigkeit erreichenihre Vollendung erst, wenn sie sich zum Erkennen steigern lassen.Sittlich handeln heißt: seiner Leidenschaften erkennend Herr wer-den. Gott lieben heißt: ihn adäquat erkennen. Die cognitio intuitivaist amor dei intellectualis. So gibt Spinoza ein umfassendes Systemder Weltanschauung, ohne dabei die theoretische Wertsphäre zu ver-lassen. Das atheoretische Leben kommt nirgends zu seinem vollenRecht.

Das aber dürfen wir verallgemeinern. In der Philospohie dieserZeit unterscheidet sich die Weltanschauung der anderen Systema-tiker von der Spinozas nicht prinzipiell. Auf Leibniz brauchen wirnicht einzugehen, denn die Wirkungen, die er ausgeübt hat, durch-brechen vor Kant den Bann des Intellektualismus nicht. Das Wer-ten des theoretischen Wertes bleibt letzte Grundlage der Weltan-schauung, und das eigentliche Ziel des menschlichen Lebens liegtnach der Philosophie in der Erkenntnis. Man mag die Durchführungsolcher Gedanken im höchsten Grade bewundern, aber auf dem Bo-