Renaissance sich wieder verselbständigte, und wie grade darin dasWesen der modernenWissenschaft besteht, daß sie nur nach Wahrheitum der Wahrheit willen sucht. Eine Philosophie der modernen Kul-tur wird auch als Wissenschaft „modern“ sein wollen, d. h. in demSinn nach Selbständigkeit und Eigenbedeutung gegenüber den an-deren Kulturgebieten streben, wie das die Wissenschaft seit Beginnder Neuzeit überall tut. Ist eine solche Philosophie in der Lage, zu-gleich universal zu sein, wie wir das von einer Philosophie dermodernen Kultur verlangen müssen ? Kann eine wahrhaft moderneWissenschaft innerhalb der modernen differenzierten Kultur objek-tiv im Sinne der Parteilosigkeit bleiben?
Sobald wir diese Frage verstanden haben, sehen wir, daß es sichnicht um eine bloße Selbstverständlichkeit handelt, wenn wir vonder wissenschaftlichen Philosophie der Kultur verlangen, sie solleallen verschiedenen Seiten des modernen, also differenzierten Kul-turbewußtseins gleichmäßig gerecht werden. Wird sie als moderneWissenschaft eine solche Aufgabe mit Erfolg in Angriff nehmen?Bleibt sie a 1 s Wissenschaft im modernen Kulturleben nichtnotwendig Partei?
Die Wissenschaften waren in den Zeiten der Renaissance alle beiden Griechen in die Lehre gegangen und hatten dort gelernt, dieWahrheit nur um der Wahrheit willen zu suchen. Dadurch erst wur-den sie modern im Gegensatz zum Mittelalter. Der theoretischeMensch strebte wieder nach einem mythenfreien, objektiven Er-kenntniszusammenhang und bediente sich, um ihn herauszuarbei-ten, des sokratischen Begriffs. Diesem Ziel ordnete er seine Tätigkeitdurchaus unter und nahm dabei keine Rücksicht auf andere Kultur-mächte, welche die Forschung zu anderen als theoretischen Zweckenbenutzen wollten. Als Grieche arbeitete auch der moderne Philo-soph, und nur so weit er das tat, verdient er die Bezeichnung mo-dern. In diesem Sinn griechisch also muß auch eine Philosophie dermodernen Kultur verfahren, falls sie den Anspruch erheben will,eine moderne Wissenschaft zu sein. Das scheint selbstverständlichund einfach.
Doch nicht nur der theoretische Mensch erstand wieder, sonderndie Philosophie übernahm, soweit das unter den veränderten Kultur-bedingungen möglich war, vom Griechentum zugleich die Weltan-