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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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wäre mit dem Prinzip der Autonomie der Werte unverträglich, undbeso nders ist zu beachten: der Wissenschaft kann man in dieserHinsicht keine Sonderstellung einräumen. Wie wir gesehen haben,ist sie in der modernen Kultur seit den Zeiten der Renaissance undder Reformation eine der Parteien neben den anderen, insofern siesich wie einst in Griechenland ausschließlich der Realisierung destheoretischen Wahrheitswertes widmet.

Jetzt verstehen wir das Wesen der modernen Kultur so weit, daßwir feststellen können, welche Aufgabe eine wahrhaft moderne Phi-losophie der Kultur gegenüber dem modernen Kulturbewußtseinhaben muß, und damit kommen wir zu unserem eigentlichen Thema,d. h. zu dem Problem, was Kants Denken für die Philosophie der mo-dernen Kultur bedeutet.

Trotzdem schließen wir auch jetzt die vorbereitenden Betrach-tungen noch nicht ganz ab. Stets empfiehlt es sich nämlich, das We-sen einer Sache auch durch Vergleich zu bestimmen, und daher fra-gen wir zunächst, wie die Philosophie der Neuzeit, die vor Kant ent-stand, sich zur modernen Kultur stellte. Wenn wir darüber Klarheithaben, läßt sich Kant mit allen Denkern, die vor ihm wirkten, ver-gleichen, und dann dürfen wir hoffen, das nur ihm Eigentümliche inseiner Bedeutung für die Philosophie der modernen Kultur zu erfas-sen. Wie weit also findet das moderne Kulturbewußtsein einen theo-retischen Ausdruck in den ersten philosophischen Systemen der Neu-zeit, die sich nach der Uebergangszeit als die im eigentlichen Sinnemodernen Systeme darstellen ? Sind sie auch in der Hinsicht schonmodern, daß sie eine Philosophie der modernen Kultur enthal-ten?

Ehe wir jedoch hierauf eine Antwort geben, ist die Fragestellungnoch genauer zu bestimmen. Was erwartet man mit Recht von einerPhilosophie der Kultur überhaupt, oder in welcher Sphäre liegt dasProblem, das eine jede Disziplin dieser Art zu lösen hat?

Wir verstehen unter Philosophie unter allen Umständen eine Wis-senschaft, wie die Griechen dies Kulturgut geschaffen haben, undderen Beruf kann nicht sein, mit den Schwierigkeiten des Kultur-lebens in der Weise fertig zu werden, daß sie sagt, wie man sie besei-tigt, oder was man tun soll. Vorschriften zur Besserung zu geben,ist niemals Aufgabe der Theorie. Davon handelt eine Kulturpolitik