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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
Entstehung
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Dieser Punkt ist grade für unsern Zusammenhang wichtig. DieSchwierigkeiten nämlich, die aus dem Zusammenleben zweier selb-ständig gewordener Kulturmächte hervorgehen, bilden zugleich Pro-bleme für eine moderne Philosophie der Kultur. Sie ergeben sich,wenn man die im Anschluß an die antike Welt in der Neuzeit ent-standenen Kulturmächte theoretisch zu bewältigen, d. h. Staat undWissenschaft begrifflich in ein ihrem Wesen entsprechendes Verhält-nis zu setzen sucht. So tritt bereits an dem besonderen Fall die Auf-gabe einer umfassenden Philosophie der modernen Kultur zutage,und nur das eine steht fest: bei den Griechen kann es keine Begriffegeben, die hier brauchbar sind, denn sie hatten das Problem über-haupt nicht gekannt und waren mit ihrer intellektualistisch gerichte-ten Philosophie daran noch nicht einmal gescheitert.

Bevor wir jedoch diese Seite der Sache weiter verfolgen, suchenwir nach Klarheit auch über die Entstehung dessen, was man die mo-derne Religion, insbesondere das moderne Christentum nennenkann. Wir müssen in einer wissenschaftlichen Untersuchung uns vonkonfessionellen Gesichtspunkten freihalten, und mit Rücksicht daraufist die Situation schwierig. Der Gegensatz des mittelalterlichen unddes modernen Christentums ist heute noch lebendig, wenn er sichauch gewiß nicht in den Gegensatz von katholischem und protestan-tischem Christentum auflösen läßt. Jedenfalls sind wir in Gefahr,die aktuellen konfessionellen Gegensätze bei der Darstellung derVergangenheit mitspielen zu lassen. Um das nach Möglichkeit zuvermeiden, beschränken wir uns auf die Hervorhebung des entschei-denden Prinzips im Anschluß an Worte des einflußreichsten Refor-mators und erinnern vorher nur noch einmal kurz an den Zusammen-hang.

Am Christentum waren uns die irrationalen Momente wesentlich,die in dem persönlichen Verhältnis der Einzelseele zu dem als Vatergeliebten Gott und in der Liebe als der besseren Gerechtigkeit zumAusdruck kommen. Die Irrationalität, die als Freiheit von jeder all-gemein begrifflichen Formulierung und praktischen Rationalisierungzugleich soviel wie Unmittelbarkeit bedeutet, stellen wir auch jetztin den Vordergrund, wo die Auflehnung gegen die mittelalterlicheKirche in Frage steht. Der religiöse Mensch, der in jenem SinneChrist sein will, den wir als den ursprünglichen ansehen, muß den