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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
Entstehung
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der Antike selbstverständlich nicht getan. Ja noch mehr als bei derRenaissance des Griechentums gilt bei der Rückkehr zum römischenStaat: es mußte zu den alten Formen ein neuer Inhalt treten, wel-cher der modernen Welt selbst entnommen war, wenn ein der wei-teren Entwicklung fähiges Kulturleben entstehen sollte. Und wie esin der Wissenschaft die neu entdeckte Natur war, die den neuen Wegwies, so war es hier die Nation, die sich mit den Formen des rö-mischen Kulturlebens verband und so in Europa die Nationalstaatenals die eigentlich modernen Staaten entstehen ließ.

Man kann einen tiefen Sinn darin finden, daß die WorteNaturundNation sprachlich denselben Stamm haben. In beiden Fällenist es das ursprünglich Gewachsene, Elementare und Unmittelbare,das sich dem Mittelalter gegenüber geltend macht und von den altenFormen seine neue Gestaltung fordert. Doch darf man andererseitsdie Parallelisierung der Entstehung von moderner Wissenschaft undmodernem Staat nicht zu weit treiben. Mit dem nationalen Momentwurde in der Politik, wie wir schon sagten, etwas Neues von außenher an das Mittelalter herangetragen. Es handelt sich hier also nichtum die Zuspitzung eines Konfliktes, der latent bereits vorher be-stand und aus dem Wesen des römischen Staates selbst, den das Mit-telalter in seinen Dienst gestellt hatte, sich begreifen ließe, wie unsdas bei der Wissenschaft möglich war. Das Streben nach Weltherr-schaft, das aus dem Machtstaat selber stammt, trug an der Auflö-sung des nationalen Staates Schuld. Im Gegensatz dazu wird dieWissenschaft aus sich selbst heraus nie dazu kommen, den theoreti-schen Menschen zu eliminieren und sich dadurch so umzugestalten,daß sie für die Zwecke des Mittelalters sich eignet. Insofern ist diemoderne Politik, soweit sie den nationalen Staat pflegt, wenn manwill, origineller als die moderne Wissenschaft, und von einer konti-nuierlichen Weiterentwicklung des antiken Lebens kann auf politi-schem Gebiet keine Rede sein. Das moderne Nationalitätsprinzipist gewiß als bewußtes Prinzip etwas Neues, das nur der mo-dernen Welt den ausschlaggebenden Charakterzug verleiht. Der Re-griff der Renaissance als bloßer Wiedergeburt ist hier einzuschränken.

Andererseits darf man nicht verkennen, daß der römische Staatdie geeignetste Form war, welche das nationale Leben unter den Ge-bilden früherer Zeiten finden konnte, falls es sich überhaupt mit

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