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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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lieh in den Zusammenhang, daß in ihm sich die Wiederauflösung desMittelalters in die dort miteinander vereinigten Kulturmächte zeige.Lehrreich ist in dieser Hinsicht besonders auch die Schrift von E. W T .Mayer:Macchiavellis Geschichtsauffassung und sein Begriff vir- 1 ). In ihr wird dargestellt, wie es sich bei Macchiavelli gradezuum eine Kanonisierung der Antike handelt, die er vollzog, da ertranszendente Autoritäten nicht mehr kannte.

Das ist der entscheidende Punkt.Ich sage, daß die Alten allesbesser und klüger machten als wir. Aber, hebt Mayer hervor, Mac-chiavellis Klassizismus darf nicht nur als tote Buchstabengläubig-keit aufgefaßt werden, sondern als ein Ergreifen und eine Neuschöp-fung antiken Geistes. Für alle Einzelfragen der Verfassung, der äus-seren Politik, des Heerwesens, der individuellen Lebensführung desPolitikers sucht er dasVorbild in der römischen Geschichte. Doch hater das deutliche Bewußtsein, daß alle Erscheinungen des römischenWesens ein gemeinsames Band haben, daß ihre Institutionen undTaten von der gleichen Gesinnung getragen sind. Seine Forderungenfaßt er in der einen zusammen, daß man im Geiste der virtü romanahandle. Es sind letzten Endes die inneren seelischen Kräfte des wil-lensgewaltigen Römertums, die er seiner Zeit wieder zuführen möchte:die Tugenden ehren und belohnen, die Armut nicht verachten, dieGesetze und Ordnungen der militärischen Zucht wahren, die Bürgerzwingen, sich gegenseitig zu heben, ohne Parteiungen zu leben unddas öffentliche Interesse ihrem eignen Nutzen vorzuziehen. All dasist für Macchiavelli einbeschlossen in die antica virtü. Deren Wie-dererweckung das sagen uns die Vorreden der discorsi und derarte de la guerre ist das Ziel seiner schriftstellerischen Tätigkeit.Staat und Heer will erin die alten Formen zurückführen und diealte Tätigkeit wiederbeleben.

Diese Sätze machen das Prinzip der politischen Renaissance klar.Doch kommt für das Verständnis der Neuzeit noch etwas anderes inBetracht. Auch im Staatsleben war es mit der bloßen Erneuerung

1) Ich weise auf diese Arbeit um so lieber hin, als ihr Verfasser, der bei Fr.Meinecke und mir in Freiburg studiert hat, gestorben ist, ehe er seine reiche Be-gabung voll entfalten konnte. Sein Buch erschien 1912 in der Historischen Bi-bliothek. Erst während des Druckes kommt mir dieEinführung zu Gesicht,die Fr. Meinecke zu einer Uebersetzung von Macchiavellis Schriften in denKlassikern der Politik, 1923 veröffentlicht hat.