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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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neuerung einer Kulturmacht früherer Zeiten, aus der die Auflehnunggegen die Kirche einerseits und eine neue Entwicklung andererseitssich ergab. Unter diesem Gesichtspunkt ist besonders Macchiavelliinteressant. An ihm läßt sich das Prinzip der Erneuerung des Altenund der daraus sich ergebende Gegensatz zum Mittelalter leicht auf-zeigen. Wir haben geschichtliche und systematische Gründe, ihnals Beispiel zu wählen.

Was zunächst das Historische anbetrifft, so ist er ein typischerVertreter der gegen das Mittelalter gerichtetenRenaissance in po-litischer Hinsicht. Konrad Burdach hebt in seinen Abhandlungenüber die Grundlagen moderner Bildung und Sprachkunst, die er un-ter dem TitelReformation, Renaissance und Humanismus veröf-fentlicht hat, hervor, daß man auf der Suche nach dem Ursprung desBegriffes Renaissance schärfer, als man es getan, auf Macchiavellihätte achten sollen. Er zitiert von ihm Sätze über die Revolutiondes Rienzo. Dieser wollte, wie Macchiavelli sagt, den römischenStaat in die antike Form zurückführen, und das war in der Tat dasZiel, das Macchiavelli bewußt im Auge hatte. Das antike Rom beab-sichtigte er zu erneuern, und dadurch wird er einmoderner Poli-tiker, zunächst im Sinne der gegen das Mittelalter gerichteten Ten-denzen.

Ein systematisches Interesse bekommt er für uns durch den Um-stand, daß unter den Philosophen der Neuzeit Fichte wohl der erstegewesen ist, der für diesen verrufenen Mann Verständnis, ja Sym-pathie hatte. Das war bei dem Verfasser der Reden an die DeutscheNation kein Zufall, so wenig wie es zufällig ist, daß Treitschkemit besonderem Nachdruck auf Macchiavelli hinweist. Es wird nachTreitschke immer Macchiavellis Ruhm bleiben, daß er den Staat aufseine eigenen Füße gestellt und von der Sittlichkeit der Kirche freigemacht hat, und dann vor allem, daß er zum erstenmal klar ausge-sprochen hat: der Staat ist Macht. So wird die Beziehung zur mo-dernen Kultur hergestellt.

Die historischen Tatsachen, die den Begriff der Renaissance, wiewir ihn bisher kennen, vervollständigen, sind nur kurz zu vergegen-wärtigen, und wieder können wir dabei zunächst auf AusführungenDiltheys verweisen. Er hebt hervor, wie Macchiavelli den römi-schen Herrschaftsgedanken erneut, und bringt ihn deshalb ausdrück-

Rickert, Kaut. $