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erkennen, und die christliche Religion kann an das griechische delovnicht glauben. Das liegt im Wesen der Sache x ).
Die Feindschaft, die zwischen der christlichen Religion und demrömischen Staat zuerst bestand, ist so offenkundig, daß sie nichtausdrücklich aufgezeigt zu werden braucht. Wir weisen auf sie nurhin und konstatieren im allgemeinen: solange die verschiedenenMächte ihre Eigenart in voller Ursprünglichkeit bewahrten, konntevon einem friedlichen Zusammengehen keine Rede sein. Es be-durfte erst einer Umbildung, einerseits der beiden aus der heidni-schen Kulturwelt stammenden Faktoren, wenn ihre Vereinigung mitdem Christentum sich vollziehen sollte, und andererseits erhielt sichdabei auch die christliche Religion nicht in ihrer ursprünglichen Ge-stalt. Sie konnte es nicht, denn mochte man auch die griechischeWissenschaft und den römischen Staat umbilden, so blieben sie dochimmer Wissenschaft und Staat, und das Christentum war ursprüng-lich jeder Ratio, gleichviel ob es sich um eine intellektuelle oderum eine politische handelte, fremd. Es mußte daher etwas von sei-nem irrationalen Wesen aufgeben, um sich irgendwie mit den ratio-nalen Faktoren verbinden zu können, die in jeder Form des wissen^schaftlichen Denkens und des rechtlich-staatlichen Lebens enthaltensind. Und wenn es dabei trotzdem etwas von seiner ursprünglichenArt bewahrte, so lag das vielleicht zum großen Teil daran, daß dasEvangelium der Konsequenz nicht bedurfte, um sich im Bunde mitder Ratio in seinem irrationalen Wesen zu erhalten.
Von der großen Synthese, die sich in der Kirche des Mittelaltersvollzog, auch nur in flüchtigsten Umrissen ein Bild zu geben, ist inKürze unmöglich 1 2 ). Doch kommt es darauf, wie wir wissen, für un-seren Gedankenzusammenhang nicht an.' Wir wollen die geschicht-
1) Das Prinzip, das hier zugrunde liegt, macht sich denn auch immer wiedergeltend. Man kann die Reihe der christlichen Denker, die Nachfolger Ter-tullians sind, bis zu Kierkegaard herab verfolgen. Er war mit seinem negativenIntellektualismus von Hegel abhängig wie Tertullian von den griechischenIntellektualisten. Allerdings ist es fraglich, ob man Kierkegaard zu denChristen in dem Sinne rechnen darf, wie wir das Wort hier gebrauchen.Man wird an der Echtheit und Stärke der irrationalen Religiosität bei einemManne zweifeln dürfen, der von dem schlichten Sinn des Evangeliums soschrecklich „geistreich“ zu reden weiß mit erborgten Manieren, die von derSpätromantik stammen.
2) Viel gelernt habe ich für dies Kapitel von Heinrich v. Eicken, Ge-schichte und System der mittelalterlichen Weltanschauung, 1887.
Bi ck ert, Kant.
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