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Das zeigt sich wieder besonders am Begriff des Absurden oder Pa-radoxen. Plotin strebt über die theoretische Vernunft hinaus, unddas Letzte, Eine bleibt für den Intellekt unsagbar. Doch ist er, wiewir sahen, von einem rein theoretischen Motiv geleitet und kommtgrade deshalb zu paradoxer Formulierung. Die christlichen Denkermüssen ebenfalls die Vernunft überschreiten, aber ihr letztes Motivist nicht theoretisch, sondern das irrationale Christentum treibt sie.Auch sie kommen dabei zur Paradoxie, also zu demselben Begriff fürdas Letzte oder Höchste, und trotzdem hat dieser bei ihnen eineprinzipiell andere Bedeutung. Der von vorneherein feststehende,nicht erst durch das logische Denken produzierte Gehalt ihrer Reli-gion setzt dem theoretischen Begreifen unüberwindliche Schranken.Weil dennoch aus dem Christentum eine Philosophie gemachtwerden soll, muß man, wo positiv logische Begriffe für Gott ver-sagen, zu negativ logischen, d. h. antilogischen Gedanken greifen.Das Irrationale, das als übervernünftig gilt, schlägt ins Wider-vernünftige um, und nun bekommt das Antilogische als göttlichden letzten Wertakzent. Nicht das bis zur Paradoxie gestei-gerte Theoretische wiebei Plotin, sondern das Theoriefeindlichewird zum Göttlichen erhoben. Das oft zitierte Wort: credo quiaabsurdum, steht wohl nicht bei Tertullian, aber: credibile est,quia ineptum est, kommt vor, und das bedeutet sachlich das-selbe. Man verherrlicht Gott, indem man ihn theoretisch herab-setzt.
So finden wir bei Griechen und Christen das Paradoxe als dasletzte, göttliche Prinzip, und trotzdem ist mit Rücksicht auf dieWeltanschauung von einer Uebereinstimmung im Grunde nicht dieRede. Bei Plotin ist die Paradoxie in Wahrheit der wesentlicheKern des göttlichen Einen. Das Christentum dagegen bekommt vonder Philosophie lediglich ein antilogisches Gewand, und zwardeshalb, weil der Versuch, es zu einer Wissenschaft zu machen, inWahrheit unausführbar ist. Wir ersehen hieraus, wie in der erstenchristlichen Philosophie Griechentum und Christentum im Grundenur heftig gegeneinander stoßen. Sie müssen zu Feinden werden,grade weil man einen Ausgleich zwischen ihnen dadurch anstrebt,daß sie sich auf dem Gebiet der Erkenntnis miteinander verbindensollen. Die griechische Philosophie kann den christlichen Gott nicht