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liehen Erscheinungen nirgends historisch 'würdigen und denken beimMittelalter am wenigsten an einen solchen Versuch. Wir sprechenvon ihm nur, weil tatsächlich das moderne Kulturbewußtsein sich imGegensatz zu ihm entwickelt hat, und weil erst durch die Unter-scheidung von ihm ganz klar wird, worin das Wesen der modernenKultur besteht. Wir fassen also das Mittelalter von vorneherein un-ter einem Gesichtspunkt ins Auge, unter dem es sich „objektiv“nicht würdigen läßt. Wir sehen es vom Standpunkt seiner bewußtenGegner an, und unser Verfahren ist daher hier in noch größeremMaße einseitig als bei der Darstellung der griechischen Wissenschaft,des römischen Rechtes und der christlichen Religion. Schon ausdiesem Grunde liegt jeder Gedanke eines Werturteils uns fern, ganzabgesehen davon, daß Werturteile über geschichtliche Abschnittevon solchem Umfang unter allen Umständen problematisch bleiben.
Dem Mißverständnis, als käme es hier auf eine objektive Kritikdes Mittelalters an, ist noch in einer besonderen Hinsicht zu begeg-nen. Griechentum, Römertum und Christentum haben wir insofernungeschichtlich und einseitig dargestellt, als wir sie nur in dem cha-rakterisierten, was man ihre „Reinheit“ nennen kann, d. h. als wirlediglich das ihnen allein Zukommende im Unterschied von dem her-vorhoben, was sich auch anderswo findet. Wenn wir nun sagen, daßdiese drei Kulturmächte sich im Mittelalter nicht in ihrer Reinheiterhalten haben, so darf auch darin keine negative Wertung gesehenwerden. Ein Kulturfaktor bleibt, sobald er in neue Kulturzusam-menhänge eingeht, in seinem ursprünglichen Wesen wohl niemalsvöllig rein bewahrt. Sollte überhaupt irgendeine umfassende Kulturzustande kommen, die griechische, römische und christliche Ele-mente synthetisch zu einem Ganzen verwob, dann konnte es dabeiohne Umbildungen der einzelnen Faktoren nicht abgehen. Wir stel-len also auch hier nur Tatsachen fest, und selbst wenn wir sagen, daßes schließlich zu einer Auflösung der mittelalterlichen Synthesekommen mußte, ist damit zwar keine kausale Notwendigkeit ge-meint, denn die versuchen wir nicht zu erkennen, aber das Müssenbesteht lediglich für den Standpunkt des modernen Bewußtseins.Dessen Entwicklung war ohne Auflösung der alten Zeit nicht möglich.
Einseitig bleibt die Darstellung des Mittelalters allerdings grademit Rücksicht hierauf in besonders hohem Grade. Wir fassen von