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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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kannt. Wir haben also überall nur noch zu sagen, in welche Be-ziehungen sie zueinander treten.

Den Ausgangspunkt nehmen wir von der christlichen Religion,und denken wieder an das, wasDilthey von aller Religion sagt, daßsich in ihr das religiöse Motiv mit einem juristischen und einem me-taphysischen verbindet. Das geschah auch dort, wo man von römi-schem Recht und von griechischer Wissenschaft noch nichts wußte.Nun aber kommen diese beiden antiken Kulturmächte mit derchristlichen Religion zusammen, und das ruft eine Auseinander-setzung mit ihnen hervor. Dasreligiöse Gemütsverhältnis trittjetzt zu besonderen Arten des sittlichen Bewußtseins und der in-tellektualistischen Prozesse in Beziehung. Doch kann daraus nichtnur ein harmonisierender Ausgleich, sondern auch eine kontrastie-rende Stellungnahme sich ergeben.

Tatsachen, die zunächst für den Kontrast in Betracht kommen,stehen in jeder Geschichte der Philosophie. Wir müssen die bekann-ten Vorgänge nur von unserem Gesichtspunkt aus beleuchten.

Das letzte Stadium der antiken Philosophie wird als das derreligiösen Spekulation bezeichnet, und für die Problemgeschichte,die auf den begrifflichen Gehalt achtet, haben die Gedanken vonallen Denkern dieser Zeit, mögen sie vom Griechentum oder vomChristentum oder von noch anderer Seite an die Probleme herantre-ten, etwas Gemeinsames. Die Fragen nach dem Verhältnis von Gottund Welt oder von Gott und Mensch stehen im Zentrum. Darüberaber darf man wesentliche Unterschiede nicht außer acht lassen.Die einen Denker gehen von der Philosophie aus und suchen aus ihreine Religion zu machen. Von Plotin, der dies tut, war schon dieRede. Er bleibt vom Christentum unberührt. In derselben Zeit gibtes aber außerdem christliche Philosophen, wie die sogenannten Kir-chenväter, die von der Religion ausgehen, um aus ihr eine Philoso-phie zu machen, weil sie zeigen wollen, daß schon das Christentumalles enthält, was die Philosophie lehrt. Hier wird nicht die Wissen-schaft religiös, sondern die Religion wissenschaftlich gestaltet. Aufdiesen Unterschied ist zu achten, denn wenn auch der begrifflicheGehalt in beiden Fällen vielfach auf dasselbe herauszukommenscheint, können trotzdem mit Rücksicht auf die letzten Antriebe desDenkens tiefgehende Unterschiede, ja Gegensätze bestehen.