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erst dann wird, wenn man sie — vergeblich natürlich — zu rationali-sieren sucht. Die Umsetzung ins ethisch-Paradoxe fälscht das Irra-tionale ebenso rationalistisch wie die Umsetzung ins logisch-Para-doxe.
Das Irrationale zeigt sich ethisch sogar in mehrfacher Hinsicht.Das Reich Gottes, dessen Kommen Jesus lehrt, hegt nicht mehr alsGerichtstag in der Zukunft, an dem das ganze Volk nach allgemeinenrationalen Grundsätzen beurteilt werden soll. Gott kommt zur Ein-zelseele in dem Augenblick, in dem sie ihn sucht, und befreit sie vonder Sünde mit irrationaler, grundsatzloser Liebe. Bei der Ersetzungdes gerechten Weltherrschers durch den hebenden Weltvater kannes nicht anders sein. Die Gotteskindschaft verbindet uns unmittel-bar mit Gott, und in diesem Verhältnis dürfen Gründe nicht ent-scheiden. Es gibt hier keine rational formulierbaren Regeln.
Trotzdem bleibt das Verhältnis nicht zufällig und partikular, son-dern dehnt sich wie die rationale Gerechtigkeit über das ganze Lebenaus. Hier verbindet sich also die Irrationalität mit der Universalität,eine Verbindung, die unter rational-ethischenVoraussetzungen aller-dings wieder „unmöglich“ und daher paradox erscheinen wird. Fürsich aber haftet auch ihr nichts Paradoxes an. Warum soll sie un-möglich sein? Ihr Kern ist nicht ein Widerspruch, sondern etwasganz Positives: die väterliche Liebe sorgt für jeden einzelnen in sei-ner Besonderheit, ohne nach irgendeiner Rangordnung zu fragenoder abzuwägen, was jemand verdient hat. Keine Seele wird hierzum Gattungsexemplar oder zum besonderen Fall eines theoreti-schen oder politischen oder religiösen Gesetzes. Vor Gott sind allegleich, aber nicht, wie Nietzsche mit erstaunlicher Verständnislosig-keit mißversteht, im Sinn einer „demokratischen“ Nivellierung,welche die Individualität vernichtet, sondern im Sinn einer Gleich-wertigkeit aller individuellen Unterschiede.
Rational-ethisch läßt sich freilich das nicht fassen. Ja vom ratio-nal-ethischen Standpunkt muß die Gleichwertigkeit aller Seelen als„ungerecht“ erscheinen. Aber der christliche Vater im Himmel isteben nicht gerecht, sondern barmherzig, und die christliche Liebefragt nicht nach Gründen, sondern will die rational abwägende Ge-rechtigkeit einer besseren Gerechtigkeit, d. h. der völlig irrationalenLiebe unterordnen.