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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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römische Recht ein wesentlicher Bestandteil der Kultur der Folge-zeit, und eine umfassende Philosophie der europäischen Kultur darfdaher, wie wir schon jetzt sehen, nicht einseitig intellektualistischorientiert bleiben, falls sie auch die aus dem Römertum stammendenpolitischen Kulturfaktoren in ihrer atheoretischen Eigenbedeutungoder ihrem außerintellektuellen Eigenwert mit dem Intellekt theo-retisch verstehen will.

Nur ein Punkt ist noch hervorzuheben. So wenig der römischeStaat als Sinngebilde sich in intellektuelle oder logische Werte auf-lösen läßt, so wenig fehlt es ihm an Ratio überhaupt. Vielmehr istauch das römische Recht, und zwar grade in den Bestandteilen, diefür die europäische Kultur wichtig geworden sind, ein eminent ratio-nales Gebilde. Was das bedeutet, läßt sich auf Grund unserer frühe-ren Unterscheidungen leicht klar machen. Wir müssen es nur wiederwertphilosophisch zum Ausdruck bringen; dann werden die fürunsern geschichtsphilosophischen Zusammenhang wesentlichenPunkte sofort deutlich.

Der Grundwert, auf dem der Sinn des römischen Rechtsstaates inletzter Hinsicht beruht, trägt in seinem Eigenwesen noch keinen ra-tionalen Charakter, und daß es überhaupt einen Rechtsstaat gebensoll, der kräftig gedeiht und Macht entfaltet, läßt sich nicht nur nichtwissenschaftlich oder intellektualistisch, sondern überhaupt nichtrational begründen. Die letzten Wertvoraussetzungen sind beijedem Kulturgut der Begründung entzogen, denn sonst wären sienicht die letzten. Das gilt ganz allgemein, auch für die Wissenschaftund den theoretischen Wahrheitswert, den sie verkörpert. DieserWert trägt alle Begründung überhaupt und muß daher selbst ohneBegründung bleiben. Gibt es keine theoretischen Menschen, welcheWahrheit um der Wahrheit willen wollen, dann entsteht auch keineWissenschaft als reales Kulturgut. Wir verstehen, daß das nicht be-deutet, der Wahrheitswert werde erst von theoretischen Menschengeschaffen. Wahrheiten gelten zeitlos, und der theoretische Menschkann sie nur finden. Doch sie werden nicht gefunden, d. h. in keinerErkenntnis und in keiner Wissenschaft verwirklicht, wo es keinetheoretischen Menschen gibt, die nach ihnen suchen und denWahrheitswert als das Letzte anerkennen, das ihrem wissenschaft-lichen Leben Sinn verleiht. So wie hier aber bleibt die letzte