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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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der Gehalt des römischen Kulturbewußtseins von dem Gehalt dergriechischen Wissenschaft prinzipiell verschieden ist. Hier ent-stehen Begriffe von Recht und Staat, von denen die griechische Phi-losophie nichts wußte und bei ihrer einseitig intellektualistischenOrientierung am theoretischen Wahrheitswert nichts wissen konnte,denn beim Sinngehalt von Recht und Staat entscheiden theoretischeWerte nicht. Es handelt sich dabei um Güter, deren Werte so eigen-artig atheoretisch sind, daß sie dem rein theoretischen Menschen, derüberall nach Wahrheit fragt, geradezu als wertfeindlich erscheinenkönnen. Wer nur forschen und erkennen will, wird im römischenStaatsleben leicht ein Uebel sehen. Diese Politik stört seine Kreiseund hindert ihn, sich restlos in die theoretische Weltvernunft zu ver-senken. Der Staat kämpft hier dauernd um seine Existenz und kannnicht fragen, ob er damit der Erkenntnis der Wahrheit dient, ja erkann auch einen philosophischen Begriff der Gerechtigkeit nichtdarüber entscheiden lassen, was politisch geschehen soll, damit derStaat wächst und gedeiht.

So liegen die Kulturgehalte des Griechentums und des Römertumsin den zwei völlig verschiedenen Wertkreisen, und es mag Vor-kommen, daß Menschen, von denen die einen ihr Leben für diesen,die anderen für jenen Kulturgehalt einsetzen, einander nicht mehrverstehen oder sich als feindlich bekämpfen.

Weiter brauchen wir die Unterschiede nicht zu verfolgen. Daswäre nur durch Eingehen auf die Besonderheiten des römischenRechts möglich und würde uns in der Einsicht, auf die es hier an-kommt, nicht fördern. Es genügt, wenn wir wissen: von den Rö-mern sind Formen des Rechts- und Staatslebens gefunden, wie es siefrüher nicht gab. Sie ließen mit griechischen Begriffen sich zwar zumwissenschaftlichen Ausdruck bringen, wo es sich um Theorien überRecht und Staat handelt, aber ihr Gehalt selbst war von einer grie-chisch denkenden Philosophie niemals zu finden, ja er mußte vomIntellektualismus gradezu als unwesentlich abgelehnt werden, dennauf theoretische Wahrheit kommt es im römischen Rechts- undStaatsleben nicht an. Doch blieb auch dieser Gehalt in der späterenKultur als Wertgebilde lebendig, ja er hat mit seiner römischen Ei-genart im politischen Leben der verschiedenen Völker eine entschei-dende Rolle gespielt. Wie die griechische Wissenschaft wurde das