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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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Zunächst gibt ihre psychologische Seite, die vorangestellt wird,sofort eine Beziehung zur Philosophie Kants, denn eine Dreiteilungdes Seelenlebens, die auf dasselbe hinauskommt, ist ja auch für dieGliederung des Systems, wie es in der Einleitung zur Kritik der Ur-teilskraft entwickelt wird, maßgebend. Dilthey spricht hiervon inseiner Abhandlung nicht, aber die Uebereinstimmung ist so evident,daß sie keinem entgehen kann 1 ). Die gesamtenVermögen desGemüts sind nach Kant das Erkenntnisvermögen, das Gefühl derLust und Unlust und das Begehrungsvermögen, und das bedeu-tet in veränderter Terminologie sachlich dasselbe wie Denken, Füh-len und Wollen. Freilich hat Kant die Beziehung des Erkenntnis-vermögens auf das Griechentum und des Begehrungsvermögens aufdas Römertum ferngelegen. Die Beziehung auf Wissenschaft undStaat ist jedoch vorhanden, und nur das Gefühl konnte Kant wedermit dem Christentum noch mit der Religion überhaupt verbinden,weil es ein besonderes Gemütsvermögen für die Religion nach ihmnicht gab. Erst Schleiermacher brachte die Religion mit dem Gefühlzusammen. KantsGefühl hat in der Zweckmäßigkeit seinPrin-zip und ist auf die Kunstanzuwenden. Im einzelnen also stimmtdie Dreiteilung Diltheys mit der Kants nicht. Eine wesentliche Har-monie bleibt trotzdem, die wir jedoch zunächst nicht weiter verfol-gen. Es sollte nur von vornherein auf sie hingewiesen werden als aufeinen der Gründe, die Diltheys Ausführungen für uns wichtig machenund in Verbindung mit unserem Thema bringen.

Im übrigen können wir bei Diltheys Gliederung, grade soweit siedas Seelenleben des Menschen und seine drei Seiten betrifft,nicht stehen bleiben. Gewiß hat die Verknüpfung des Denkens mitder Wissenschaft der Griechen, des Willens mit dem römischen Staatund des Gefühls mit der aus dem Orient stammenden Religion etwasEinleuchtendes, und es läßt sich ihr ein tiefer Sinn abgewinnen.Aber so, wie sie bei Dilthey auftritt, ist sie als Leitfaden für unsereweitere geschichtsphilosophische Betrachtung nicht brauchbar. Da-zu ist sie zu sehr an der Psychologie orientiert, und überdiesan einer Psychologie von recht fragwürdiger Art, die mehr geeignet

1) Noch größer ist freilich die Uebereinstimmung mit Schleiermacher, und anihn muß Dilthey gedacht haben. Aber dessen Gedanken bilden ja nur dieKants weiter.