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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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dem dauernden Zustand, das Einzelinteresse der Regel und demGanzen untergeordnet.

Wir bemerkten früher, daß die Kulturen vergangener Zeiten nurso weit für unser Problem in Betracht kommen, als sie in das Kultur-bewußtsein eingegangen sind und für die Folgezeit Bedeutung ge-wonnen haben. Auch inwiefern dies für die Römer gesagt werdenmuß, tiiacht Dilthey klar. Den Höhepunkt seiner Leistung erreichtnach ihm der römische Geist durch die Begründung eines selbstän-digen Rechtes und einer selbständigen Rechtswissenschaft. Ersondert das Recht von den religiösen und sittlichen Gesetzen undvon den philosophischen Prinzipien der Gerechtigkeit, welche den Grie-chen immer als eine herrschende Ordnung über jedem positiven Rechtegestanden hatte. SeinVerfahren war positiv und induktorisch. An denVerhältnissen des Lebens bildete er Rechtswahrheiten von geringererAllgemeinheit aus, welche den umfassenderen Regeln unterworfenund schließlich in systematischen Zusammenhang gebracht wurden.

Das Entscheidende war nun aber, daß diese römische Sachdenk-lichkeit von Lebensbegriffen getragen war, welche für die Formulie-rung eines selbständigen Zivilrechts aus den Tatsachen von Eigen-tum, Familie, Verkehr ungemein günstig gewesen sind. Der Herr-schaftswille des Individuums wird in dem Kreis, den sein Handeln inEigentum, Familienrecht und Magistratur wirkend erfüllt, gegen alleEingriffe geschützt, die dem Willen des Berechtigten zuwider gehen.Der Herrschaftswille ist nicht leere und formale Willkür, sondern dasRecht dient der Sicherung des Nutzens, des Genusses, der Inter-essen. So hat es inderUtilität und Zweckmäßigkeit sein Realprinzip.Seine Form besteht in der Regel, in dem Begriff, sowie in der Analo-gie, welche von dem gewonnenen Rechtssatz zur Uebertragung aufneue Fälle fortschreitet. Vom Rechte aus werden für den römischenGeist Willensherrschaft, Zweckmäßigkeit, Utilität und Regel zu Or-ganen für das Gewahren und das Begreifen schlechthin.

Wir müssen es uns versagen, noch weitere Einzelheiten anzuführenund verweisen auf Diltheys Abhandlung. Das Gesagte wird genü-gen, zu zeigen, wie in der Tat eine Welt neuer Begriffe mit dem Rö-mervolke über den Horizont des geschichtlichen Bewußtseins tritt.Es ist, sagt Dilthey, als ob ein neuer Erdteil aus dem Meere auf-tauchte. Die neuen Lebensbegriffe ruhen alle auf dem stolzen römi-