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päischen Rationalismus als eine genau bestimmte Weltanschauungentgegen. Unser Interesse an ihm wird jetzt ein doppeltes sein. Ein-mal ist festzustellen, welche Rolle er faktisch in der europäischenKultur spielt. Dabei haben wir wieder zwischen der griechischenWissenschaft überhaupt und der griechischen Weltanschauung, dieim Zusammenhang mit ihr entstanden ist, zu unterscheiden. Zu derhistorischen Frage aber kommt noch eine andere. Wie stellt eineumfassende Philosophie der Kultur, die, wie wir voraussetzendürfen, nicht nur das theoretische Gebiet des wissenschaftlichenDenkens, sondern auch die atheoretischen Kulturgüter zu berück-sichtigen hat, zur Philosophie, die als Weltanschauung ausgestaltetandere Eigenwerte als die intellektuellen in ihrer Selbständigkeitnicht anzuerkennen vermag ?
Daß hier für den modernen Menschen sich ein Problem ergibt,liegt auf der Hand. Ihm ist der Intellekt nicht die Norm für das Allder Welt. Er glaubt nicht daran, daß das Wesen der Realität imtiefsten Grunde logisch sei und daher die irrationale Sinnenweltkeine wahre Wirklichkeit besitze. Er will vollends nicht alle Güterder Kultur an dem Wert der theoretischen Wahrheit messen, son-dern er schreibt dem künstlerischen und noch mehr dem sittlichenund religiösen Leben selbständige Eigenwerte zu, die sich auf keinebloß intellektuelle Vollkommenheit zurückführen lassen. Er wirddaher, auch wenn er an der griechischen Wissenschaft als einem Kul-turgut mit Eigenwert streng festhält, die griechische Weltanschau-ung unbefriedigend finden, und weil beide, wie wir gesehen haben,eng miteinander verknüpft sind, muß für ihn das Problem entstehen:wie kann man im griechischen Sinne Wissenschaft treiben, ohne da-durch zum griechischen Intellektualismus zu kommen, falls manüberhaupt die Wissenschaft universal gestalten, d. h. zu einer um-fassenden Weltanschauungslehre ausbauen will?
Selbstverständlich hängen die beiden Fragen, die sich für uns anden Intellektualismus knüpfen, die zuerst genannte historische unddie jetzt formulierte philosophisch-systematische, miteinander zu-sammen, und zwar um so enger, je mehr das geschichtliche Problemzu einem geschichtsphilosophischen wird. Trotzdem muß auch diebewußt geschichtsphilosophische Betrachtung zunächst von der reinsystematischen geschieden werden. Ja das systematische Problem