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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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ist in der Zuspitzung, wie wir es formuliert haben, erst später gestelltund hat daher bei der Betrachtung der früheren Kulturen noch keineBedeutung. Vielleicht verdanken wir es erst Kant, daß wir es in derhier versuchten Weise formulieren können. Die geschichtsphiloso-phische Betrachtung dagegen hat es vorläufig noch nicht mit dermodernen Welt zu tun. Sie richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Kul-turmächte, die außer dem Griechentum für Europa in der angegebe-nen Weise von Bedeutung geworden sind, auf den römischen Staatund die christliche Religion. Sie fragt dabei noch nicht nach einerumfassenden Kulturphilosophie, sondern ist lediglich insofern voneinem systematischen Gesichtspunkt geleitet, als sie diese Kultur-mächte auf das hin ansieht, was sie der griechischen Wissenschaftgegenüber Neues brachten, und inwiefern durch sie das Materialfür eine umfassende Philosophie der Kultur bereichert worden ist.

Der Gedankengang unserer Untersuchung bestimmt sich dadurchso: nachdem wir das Wesen des Griechentums im Intellektualismusgefunden haben, können wir auch das Römertum und das Christen-tum unter einen bestimmten Gesichtspunkt bringen. Wir suchen dieäußer-intellektuellen Faktoren festzustellen, welche die neuen Kul-turmächte zeigen. Damit ist das früher formulierte Problem genauerbestimmt, und auch der Zusammenhang mit unserer Hauptfrage,die sich auf Kant bezieht, wird noch deutlicher. Wir wollen Kant alsden Philosophen der modernen Kultur verstehen. In der Neuzeitspielen Römertum und Christentum außer dem Griechentum eben-falls eine Rolle. Hat Kant Wissenschaft, Staat und Religion in sei-ner Philosophie in ein Verhältnis zueinander gebracht, das dem We-sen der modernen Kultur entspricht? Darauf kommt es für uns an,und um darüber Klarheit zu gewinnen, müssen wir nicht nur dieWissenschaft, sondern auch den Staat und die Religion in der Formkennen lernen, an welche die moderne Zeit bei ihrem Beginn zuerstanknüpfte. Das aber führt auf den römischen Staat und die christ-liche Religion in ihrer Ursprünglichkeit, d. h. in der Gestalt, die siehatten, bevor die mittelalterliche Kirche sie aufnahm und für ihreZwecke verarbeitete.

So muß der Zusammenhang aller der verschiedenen Fragen, die imfolgenden zu beantworten sind, klar vor uns liegen.