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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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des Willens, so daß er nach intellektuellen Eigenwerten gar nichtmehr fragt, und die Verbindung mit dem theoretischen Menschenschwindet. Dann läßt sich die Ratio zu den denkbar irrationalstenZwecken verwenden. Es gibt, wie auch Max Weber hervorgehobenhat, Rationalisierungen z. R. der mystischen Kontemplation, alsoeines Verhaltens, das von anderen Lebensgebieten her gesehen spezi-fisch irrational ist, ebenso wie es Rationalisierungen der Wirtschaft,der Technik, des wissenschaftlichen Arbeitens, der Erziehung, desKrieges, der Rechtspflege und der Verwaltung gibt. In allen diesenFällen, mit Ausnahme des wissenschaftlichen Arbeitens, sind andereals theoretische Werte maßgebend, und mit Intellektualismus, sowie wir dies Wort verstehen, haben daher diese Formen des Ratio-nalismus noch nichts zu tun.

Daraus verstehen wir endlich, daß die rationalen Faktoren auch inden Dienst der verschiedensten Weltanschauungen treten können.So gibt es z. R. einen Moralismus, der einseitig den Gesamtsinn desLebens am ethischenWert orientiert und zugleich ganz rationalistischgestaltet ist, ja wir werden in der Regel moralistisch gerichtete Welt-anschauungen mit rationalen Faktoren durchsetzt finden. Der In-tellektualismus dagegen erkennt wahrhaft gültige Werte nur soweitan, als sie theoretisch begründet sind, und muß verlangen, daß alleLebensgebiete sich den Forderungen der theoretischen Vernunftfügen. Was sich der Durchleuchtung durch das theoretische Denkenentzieht, bleibt mit Rücksicht auf seinen Wert untergeordnet undverliert für den, der vollkommen leben will, die positive Bedeutung.Der praktische Mensch, der völlig anders wertet, stützt sich trotz-dem in der Regel auf die Ratio. Der Intellektualist dagegen kann zueiner eminent unpraktischen Lebenshaltung neigen und wird danndem Menschen des tätigen Lebens als gänzlichirrational erschei-nen. So lassen Rationalismus und Intellektualismus sich geradezuin einen Gegensatz zueinander bringen.

Doch hebt das die frühere Behauptung, daß der Intellektualismuseine besondere Form des Rationalismus sei, nicht auf. Die letzte Zu-spitzung wurde nur erwähnt, um der Verwechslung der beiden Be-griffe soweit wie möglich vorzubeugen.

Für unseren Zusammenhang kommt zunächst nur der Intellektua-lismus in Betracht, denn er allein tritt uns bisher innerhalb des euroi