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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
Entstehung
Seite
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Menschen. Das hat mit Monismus im philosophischen Sinn, der in-tellektualistisch bedingt ist, ursprünglich nicht das Geringste zu tun,und daraus wird eine theoretische Philosophie erst, wenn es sich wieim Johannesevangelium mit Gedanken des griechischen Intellek-tualismus verbindet. Doch davon soll später gesprochen werden, wowir zur Ueberwindung des griechischen Intellektualismus durch an-dere Kulturmächte kommen. Hier war nur vorläufig darauf hinzu-weisen, damit der Zusammenhang des Ganzen unserer Ausführungenschon jetzt hervortritt.

Die griechische Weltanschauung selbst brauchen wir in ihren Ein-zelheiten nicht weiter zu verfolgen. Es bleibt noch übrig, daß wir siejetzt auch gegen den europäischen Rationalismus abgrenzen, vondem früher die Rede war. So willkürlich das terminologisch erschei-nen mag, so gewiß besteht die Trennung sachlich zu Recht.

Um sie durchzuführen, formulieren wir den Intellektualismus aus-drücklich als eine Form der Wertphilosophie. Dann tritt, wie beiallen Philosophemen, der Weltanschauungsgehalt am deutlichstenzutage. Die logischen oder theoretischen Werte der Wahrheit sindim griechischen Denken nicht nur zum erstenmal in ihrer Selbstän-digkeit erfaßt, sondern zugleich zu den allein herrschenden gemachtworden, so daß insbesondere das sittlich Gute und das Göttliche,also die ethischen und die religiösen Werte, sich entweder ganz intheoretische Wertbestimmungen auflösen oder doch eine so starktheoretische Färbung erhalten, daß sie ihre Eigenart und Selbstän-digkeit zu verlieren drohen. Von solcher Einseitigkeit der Wertungist im Unterschied hiervon der Rationalismus eventuell frei. Mankann die verschiedensten Lebens- und Kulturgebiete rationalisieren,ohne damit ihre Eigenwerte aufzuheben oder auch nur anzutasten.Insbesondere läßt sich, wie wir schon sahen, das Leben des wollendenund handelnden Menschen völlig rational gestalten, und es kannkeine Rede davon sein, daß es dadurch in theoretisches Leben über-geht. Ja gerade der wollende und handelnde Mensch kommt ohneRatio nicht aus. Wer den Zweck will, muß das Mittel wollen, sagtman mit Recht, und das Verhältnis von Zweck und Mittel wird derhandelnde Mensch rational zu durchschauen suchen.

So geht der Rationalismus vielfach weit über das intellektuelleGebiet hinaus, ja er stellt eventuell den Intellekt ganz in den Dienst