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Gewiß, ein Unterschied besteht, und doch wird das letzte Motivauch dieser Gedanken nur aus dem intellektualistischen Prinzip her-aus verständlich. Denn deshalb allein ist die Vernunft von Gott alsdem Einen, Letzten geschieden, weil sie nicht mehr volle Einheit ist,sondern sich mit jener Spaltung in Subjekt und Objekt, Bewußtseinund Gegenstand behaftet zeigt, die es uns erst möglich macht, vonetwas zu reden oder etwas auszusagen. Warum lehrt Plotin nun aberjenes unsagbare Eine als letztes Weltprinzip? Es ist klar: nur derIntellekt, der sich durch den Begriff mit dem All theoretisch in Ver-bindung setzt, kann zu dem Gedanken einer letzten Einheit kom-men, denn nur er hat Veranlassung dazu, das All unter einen letztenBegriff zu bringen und damit als das Eine zu bezeichnen.
Der Monotheismus Plotins ist also wie der des Aristoteles daranorientiert, daß alles, was wir denken, schließlich unter einen Be-griff fällt, also Eines ist, und daß deshalb alles in der Welt ineinem Letzten gipfeln muß. Das bleibt, obwohl dies Eine überver-nünftig genannt wird, ein rein intellektuelles Motiv, ja wir haben indem Einen Plotins nichts anderes als die Spitze der logisch aufgebau-ten Platonischen Gedankenpyramide, und ebenso gibt es zwar jen-seits des Gedankens auch im Subjekt als Höchstes noch die ekstati-sche „Liebe“, aber diese läßt sich ebenfalls nur verstehen als letzteSteigerung der intellektuellen Schau des theoretisch geforderten All-einen oder als amor intellectualis dei. Kurz, wenn die Weltvernunftfür Plotin noch nicht das Letzte ist und Gott als übervernünftig ge-dacht wird, kommt das nur daher, daß die dem Menschen zugäng-liche und insofern für ihn vernünftige Vernunft noch nicht jene Ein-heit zeigt, welche gerade die menschliche Vernunft als Letztes ver-langt. Der menschliche Intellekt ist es also, der über alles demmenschlichen Intellekt Verständliche hinaus zu Gott führt,und auch, ja gerade diese übervernünftige Beligion hat die Formeiner von theoretischen Motiven getragenen intellektualistischen Me-taphysik des logischen Monismus.
Wie sehr wir beim Griechentum in den Kreis des Intellektualismusgebannt bleiben, wird noch deutlicher, wenn wir seinen metaphysi-schen Gebilden mit monistischer Spitze einen religiösen Monotheis-mus gegenüberstellen, der auf anderen als intellektuellen Motivenberuht. Im Christentum ist der eine Gott der eine Vater für alle