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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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Verbindung des logischen mit dem ästhetischen Moment ist es, diesich dann religiös steigert. Das rückt das Gebiet des Göttlichen vombloß nüchternen Verstandesmäßigen weit ab, indem es ihm einenZauber verleiht, den unser Begriff des Intellektuellen nicht mehr be-sitzt. Der Mensch bemächtigt sich des Universums durch einSchauen, das sowohl Wahrheit als auch Schönheit gibt, und fühlt sichso eins mit dem göttlichen Weltgrund, der selber wahr und schön ist.

Dieser Zug mußte hinzugefügt werden, damit der Intellektualis-mus nicht auf ein trockenes Verstandestum hinauszukommenscheint, welches mit dem, was wir unter Griechentum verstehen, un-vereinbar sein würde. Wir dürfen aber andererseits nicht übersehen,daß der eigentliche Kern der Weltanschauung bei den griechischenPhilosophen der Absicht nach logisch und insofern verstandesmäßigbleibt.

Um zu zeigen, wie wenig die griechische Philosophie über diesPrinzip hinauskommt, werfen wir endlich noch einen Blick auf dieForm des griechischen Denkens, die es bei seinem Ausgang an-nimmt, als der Schwerpunkt ausdrücklich und bewußt auf die Er-kenntnis Gottes gelegt wird, ja als die Tendenz geradezu dahin geht,durch die Philosophie zur wahren Beligion zu kommen. Das vollziehtsich im Neuplatonismus, vor allem in dessen größtemVertreter, Plotin.

Freilich, bei den Gedanken, die an PlatonsJenseits anknüpfen,könnte man glauben, sie führten über den Intellektualismus hinaus,denn es wird in ihnen ausdrücklich etwas behauptet, das die Grenzender theoretischen Vernunft überschreitet. Das letzteEine läßtsich logisch nicht mehr bestimmen, es ist das Unsagbare. Es hatnicht nur keine körperlichen, sondern auch keine geistigen Eigen-schaften mehr und soll an der menschlichen Vernunft gemessen, über-vernünftig sein.- Zumal im Gegensatz zu Aristoteles wird die Eigen-art Plotins deutlich. Dort steigen wir allmählich zum Denken desDenkens auf. Hier schwingen wir uns sogleich zum Einen hinan undmüssen dann die Welt als die Ausstrahlung in entgegengesetzterDichtung verstehen. Vom Einen geht es zur Vielheit emanatistischherab, und erst nachdem wir den ersten Schritt auf diesem Wege ge-tan, uns also von Gott schon entfernt haben, kommen wir zum Sag-baren und insofern Vernünftigen. Kann hier noch von Intellektua-lismus die Rede sein ?