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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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daß alles zu ihm hinstrebt als dem Ziel der Weltsehnsucht. Gott tutnichts, sondern schaut nur. Auch seineAktualität ist rein theore-tisch. So wird er gedacht als der unbewegte Beweger, der keinenanderen Zweck kennt als sich selbst, und der in Selbstbetrachtungewig selig in sich ruht. In diesem Monotheismus der intellektuellenVollkommenheit gipfelt das klassische Denken der Griechen undschließt sich damit zu einem System des absoluten Intellektualismuszusammen, wie es konsequenter unter den gegebenen Voraussetzun-gen nicht gedacht werden kann.

Nur ein Zug sei zur Vervollständigung noch hinzugefügt, der dasspezifisch Griechische besonders deutlich macht. Wir sind heute ge-wöhnt, das Wort Theorie, das ja Schau heißt, auf das Logische imengeren Sinn, d. h. auf das nüchtern Verstandesmäßige zu beschrän-ken, und wir tun das im Interesse einer eindeutigen Terminologie ge-wiß mit Recht. Auch die Griechen gebrauchen das Wort so. Aber eshat bei ihnen zugleich einen noch umfassenderen Sinn. Die Theoriesteht als Schau im Gegensatz zu allem Praktischen oder Emotiona-len und umfaßt damit das Anschauliche oder Kontemplative über-haupt. Ja das Erkennen wird geradezu als das passive Schauen ge-dacht und kommt so in nächste Verwandtschaft zu dem Schauen,welches wir heute nicht mehr theoretisch, sondern ästhetisch nen-nen, und welches das Verhalten dem Kunstwerk gegenüber bezeich-net. Die Differenzierung der verschiedenen Arten der Kontemplationliegt den Griechen noch fern. Wahrheit und Schönheit sind ihnennah verwandt oder fallen geradezu zusammen. Deshalb hat ihr In-tellektualismus auch nichts von jener Nüchternheit, die sich für unsbesonders mit dem Begriff des Rationalismus verbindet.

Noch mehr als bei Aristoteles zeigt sich dies schon vor ihm, aberauch später wieder. Die Platonischen Ideen, die Urbilder, die derBegriff abbildet, können alsVisionen verstanden werden, und diehöchste Realität ist eventuell ebenso das Schöne wie das Wahre oderdas sittlich Gute. Aehnliches findet sich nachher bei Plotin. Dieserästhetische Zug gibt dem griechischen Intellektualismus und damitzugleich der intellektualistischen Religiosität die eigentümlicheFärbung. Nicht nur der theoretische Mensch als der logisch Den-kende, sondern auch der künstlerische Mensch mit unmittelbarer,begriffsfreier Anschauung findet hier seinen Platz, und gerade die