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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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davon unberührt bleibt. Der Intellektualismus ist eine alles umfas-sende Weltanschauung.

Zunächst betrachten wir seine rein theoretische Seite. Falls Glei-ches nur durch Gleiches zu erkennen ist, kann die Ordnung und derZusammenhang der Dinge von der logischen Ordnung und dem logi-schen Zusammenhang der Gedanken nicht prinzipiell abweichen.Gelingt es daher, die wahren Gedanken in ein logisches System zubringen, so erfassen wir damit zugleich den objektiven systemati-schen Zusammenhang der Realität, d. h. die wirkliche Welt ist selberein logisch geordneter Kosmos. Doch das ist noch nicht alles. Vonhier aus bestimmt sich auch das Wesen der Sinnenwelt, in der wirunmittelbar leben. Da sie überall eine regellose Fülle oder Mannig-faltigkeit zeigt, die im Gegensatz zur logischen Ordnung steht, kannihr der Charakter einer echten Wirklichkeit nicht zukommen. Es ist,wie Kant sagt, für den Intellektualisten in den Sinnen nichts alsSchein. Jedenfalls wird die Sinnenwelt zu einem Sein zweiten Gra-des herabgesetzt, von dem es als einem Irrationalen wahre Erkennt-nis nicht gibt. Im Wesen ist die Welt vom Logos erfüllt, die wahrenGegenstände sind alsointelligibel, und die weltbeherrschende Ver-nunft erschließt sich uns soweit, als wir sie in uns zur Herrschaftkommen lassen, d. h. logisch oder vernünftig denken. Das ist dertheoretische Kern des Intellektualismus. Der Intellekt wird zumWeltprinzip erhoben oder das Sein der Dinge intellektualistisch ge-deutet.

Im Zusammenhang hiermit steht sodann die Ansicht über die Be-stimmung des Menschen. Wissen wir uns allein durch unseren Intel-lekt in Harmonie mit dem AU, so muß vom Intellekt aus auch derSinn unseres Lebens sich ergeben, d. h. der Logos oder die Vernunftist dann nicht nur die wahre Realität, sondern zugleich der Welt-zweck, das Ziel alles echten Strebens oder das höchste Gut. Schon inder Lehre des Sokrates war diese Meinung vorbereitet. Wer dasRichtige weiß, muß auch das Richtige tun, oder Sünde ist im Grundegenommen Irrtum. Darum wurde die allgemeingültige Erkenntnisfür Sokrates so wichtig. Bei den großen griechischen Metaphysikern,die auf ihn folgten, nimmt diese Ueberzeugung die Gestalt an, daßalle Güter der Kultur am Intellektuellen zu messen sind. Die Weltder Normen wird zum mundus intelligibilis im strengen Sinn des