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sehen oder deshalb allein das Wissen lieben, weil es wahr ist. Ohnedie dargestellte Wertverschiebung und die aus ihr hervorgehendeVerwandlung des Mittels in einen Zweck wäre eine gründlichePflege des Kulturgutes der Wissenschaft in seiner Eigenart nichtmöglich. Wir werden darum gewiß nicht wünschen, daß alle Men-schen den Sinn ihres Lebens in die wissenschaftliche Forschung ver-legen. Davon war ja auch in Griechenland keine Rede. Die Zahl dertheoretischen Subjekte blieb dort wie bei uns verhältnismäßig klein.Aber die Menschen, die das wissenschaftliche Erkennen sich zumBeruf erwählt haben, müssen in der Hinsicht Griechen bleiben,daß sie das Wissen nicht zu außerwissenschaftlichen Zwecken su-chen, sondern es lieben um der Theorie willen. Das ist der erstePunkt, in bezug auf den es keine grundsätzliche Abweichung von demWesen der ersten Wissenschaft geben darf.
Wie steht es sodann mit dem ob j ektiven Gehalt der For-schung, der sich bei den Griechen daraus ergab, daß sie alles Verein-zelte im Zusammenhang mit dem Ganzen zu erkennen suchten ?
Hier scheint später doch ein wesentlicher Unterschied zu be-stehen. Insbesondere der moderne theoretische Mensch wendetseine Aufmerksamkeit nicht immer dem Weltganzen zu, um danndie Frage zu stellen, was das Prinzip aller Dinge überhaupt sei. Ne-ben der Wissenschaft vom Weltall haben wir Spezialdisziplinen, dieihre Erkenntnisziele beschränken. Aber das war auch dem Griechen-tum nicht fremd, und selbst abgesehen davon bedeutet die Speziali-sierung der Wissenschaft noch keine prinzipielle Abweichungvom griechischen Erkenntnisziel in einer für uns wesentlichen Rich-tung. Wenn es auch nicht das Ganze ist, in dessen Zusammenhangalle Teile der Welt beim Erkennen gebracht werden, so bleibt es dochstets e i n Ganzes, das die Wissenschaft erfassen will, und zu dem siealle ihre Einzelheiten zusammenfügt. Auf eine „Arche“ oder einPrinzip des Erkenntniszusammenhanges können auch wir in derWissenschaft nicht verzichten. Das ist der entscheidende Punkt. ImVergleich zu ihm wird der Umstand sekundär, daß die moderne Wis-senschaft in viel höherem Maße als die griechische die Welt in Spe-zialgebiete zerlegt, um für jedes von' ihnen besondere Prinzi-pien der Erkenntnis zu suchen. Stets wird von uns wie von denGriechen der einzelne Teil im Zusammenhang mit einem Ganzen er-