Schaft geltend machen kann, im Prinzip erledigt. Selbst wenn manglaubt, die wissenschaftlichen Menschen seien unter biologischeBegriffe zu bringen, darf man diese Betrachtungsweise trotzdemnicht auf den sachlichen Gehalt der Kulturgüter übertra-gen. Die moderne Lebensphilosophie hat also keinen stichhaltigenGrund, die Wissenschaft als ein bloß vorübergehendes Gebilde zubetrachten, dessen Anfänge bei den Griechen liegen, und das von die-sem, in seiner nationalen Kultur längst zugrunde gegangenen Volkabhängig bleiben muß. Der historische Ursprung und das hohe Alterstellen die überzeitliche „Lebendigkeit“ des Eigenlebens derWissen-schaft durchaus nicht in Frage.
Ja wir können noch einen Schritt weiter gehen und den Spieß ge-radezu umkehren. Die Völker und die Individuen, die nur im biolo-gischen Sinne leben und nie den Schwerpunkt in die Welt der Eigen-werte verlegen, sterben wie alle Lebewesen früher oder später, undsie sterben dann endgültig. Als bloß lebendig hinterlassen sie in derKultur der auf sie folgenden Zeiten keine Spur von der Eigenartihres Wesens. Will der Mensch über dies Schicksal, einmal gänzlichauf Erden sterben zu müssen, hinwegkommen, dann hat er aus derReihe der bloßen Lebewesen herauszutreten. Es gibt keinen anderenWeg, dem irdischen Tode zu entgehen. Das gilt für den einzelnenKulturmenschen ebenso wie für die Kulturvölker. Erst wenn sie auf-hören, nur im biologischen Sinne lebendig zu sein, erhalten sie Teilan dem Eigenleben, das nicht stirbt, solange es eine Kultur gibt.Die Menschen dagegen, die den Idealen der Lebensphilosophie ge-treu leben, um möglichst lebendig zu werden, sinken nach kurzerZeitspanne für immer zurück in die Nacht, aus der sie zu vorüber-gehendem Dasein emporgetaucht sind. Wer dauernd am Leben blei-ben will, muß mehr als leben können. Und das eben haben die Grie-chen vollbracht, als sie den theoretischen Menschen, das Strebennach Erkenntnis des mythenfreien Zusammenhangs und den Begriffals Mittel des Erkennens schufen.
Selbstverständlich bedeutet das nicht, daß wir darum bei demstehen bleiben sollen, was die Griechen vor Jahrtausenden lebten.Das ergäbe in der Tat noch kein wissenschaftliches Leben, wenn dieMenschen immer nur von neuem dieselben Gedanken nachdächten,die schon einmal gedacht worden sind. Auch die Wissenschaft lebt