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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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nen schlägt der Sokra tische Logos die Brücke zu einer Welt, die allengemeinsam werden kann, falls sie nach ihr suchen.

So verstehen wir, weshalb der Begriff als Erkenntnismittel ebensozum Wesen der ersten Philosophie gehört, wie der theoretischeMensch und der mythenfreie Erkenntniszusammenhang. Denkenwir noch an die Form, durch welche die Erkenntnis allgemein mit-teilbar wird, so dürfen wir alles zusammenfassend kurz sagen: dieWissenschaft inGriechenland bestand als reales Kulturgut aus Sätzen,deren Worte sie mit bestimmten Begriffen verknüpfte und dadurchdie um ihrer selbst willen gesuchteWahrheit über den Zusammenhangder Gegenstände des Erkennens zum eindeutigen Ausdruck brachte.

Bevor wir nun mit Hilfe dieses Ergebnisses die geschichtsphiloso-phische Betrachtung weiterführen, stellen wir eine Frage, die denZusammenhang unterbricht. Kennzeichnen die drei hervorgehobe-nen Momente nur die griechische Forschung, oder sind sienicht für die Wissenschaft allerZeiten maßgebend geblieben,und kommen wir mit ihnen nicht aus dem Zeitlichen oder Geschicht-lichen schon ins Zeitlose oder Ewige ?

Wir werden damit auf einen Punkt geführt, der für jede Ge-schichts- und Kulturphilosophie von entscheidender Wichtigkeit ist,und an dem wir gerade heute nicht vorübergehen können. Eine weit-verbreitete geschichts- und kulturphilosophische Dichtung unsererTage wird nämlich in der Aufzeigung des Ursprungs in Griechenlandeinen Grund dafür finden, daß es sich hier nur um Geschehnisse vonbloß geschichtlicher und daher zeitlich bedingter Bedeutung handelnkönne. Wie sollten die Produkte eines besonderen Kulturvolkes all-gemein menschlich in dem Sinne sein, daß sie übergeschichtlich gel-ten ? Der Umstand, daß schon vor Jahrtausenden der theoretischeMensch, das Streben nach Erkenntnis eines mythenfreien Zusam-menhanges und der Begriff als Erkenntnismittel bei den Griechenentstanden sind, muß es von vornherein unwahrscheinlich machen,daß w 7 ir in so völlig veränderter Kulturlage heute noch an der grie-chischen Art der Wissenschaft festhalten dürfen. Wir müssen lernen,das geschichtliche Kulturleben wie alles Leben überhaupt zu be-trachten. EineMorphologie der Kultur nach biologischem Mu-ster, welche die historischen Vorgänge erforscht wie das Leben derOrganismen, ist die einzig haltbare Philosophie der Geschichte.