kennen müsse, und die sich beide auf das Prinzip des Wissens be-ziehen: die Induktionsbeweise und die allgemeinen Begriffsbestim-mungen. Sachlich bedeutet das kurz gesagt: aus dem Besonderen,das jedes einzelne Individuum für sich hat, wird durch Vergleich dasGemeinsame ausgeschieden und so das Allgemeine im Begriff gefun-den, dessen Inhalt genau anzugeben oder zu begrenzen ist. Die Be-griffsbestimmung nennen wir noch heute „Definition“, und die Bil-dung des bestimmten Begriffes ist in der Tat das Mittel, mitdem man in der Wissenschaft über die Vielheit der individuellenMeinungen hinauskommt. In Begriffen hatte sich vom erstenSchritt an jede wissenschaftliche Theorie bewegt.
So einfach also der Gedanke des Sokrates nach Aristoteles sichdarstellt, so groß war seine Bedeutung. Durch ihn tritt zutage: wirkennen unmittelbar nicht allein unser individuelles Seelenleben,sondern jeder, der danach sucht, ist imstande, etwas zu finden, dasihn mit den anderen Menschen verbindet. Im Begriff oder im Logoshält er etwas Ueberindividuelles fest. Sobald das aber geschehen ist,besitzt er darin zugleich das Mittel, das ihn vom Subjektiven zumObjektiven, vom individuellen Seelenleben zum Gehalt der Weltführt, also im Prinzip auch eine für alle Individuen gültige Er-kenntnis ermöglicht.
Wir sehen zunächst davon ab, w r ie das Verhältnis des längst be-nutzten, aber jetzt erst entdeckten Erkenntnismittels zu den Gegen-ständen der Erkenntnis aufzufassen ist, oder was der Begriff für dieErfassung des Weltwesens bedeutet. Darauf kam es Sokratesnoch nicht an. Er suchte eine Verständigung der Individuen mit-einander über das für alle Richtige im praktischen Leben.
Trotzdem bleibt auch für die Wissenschaft vom Zusammenhangder Dinge sein Gedanke wichtig. Bisher kannte man nur Objekteund Subjekte, d. h. Dinge der Außenwelt und Menschen mit ihremseelischen Innenleben. Falls Sokrates recht hat, besitzen wir im Be-griff etwas Drittes, das weder in die Sphäre der erkennenden Sub-jekte noch in die der Objekte der Erkenntnis fällt, sondern als echtesMittel in der Mitte liegt, und das gerade deshalb vom einzelnen Sub-jekt fort zu dem hinführt, was die Wissenschaft anstrebt: die Er-kenntnis der eine n, identischen Außenwelt durch die vielenverschiedenen Menschen. Vom individuellen Seelenleben der Einzel-