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Zunächst mußte man Veranlassung haben, hier eine F r a g e zustellen. Das geschah erst, als die Forschung schon verhältnismäßigweit entwickelt und außerdem das Auge des theoretischen Menschenvon den Objekten auf die Subjekte des Erkennens gelenkt war. DieWendung in dieser Richtung sieht man als eine Tat der Sophistenan. Ist das zutreffend, so entdeckten sie damit eine neue, theoretischbisher unbeachtet gebliebene „Welt“. Sie sahen das, was jedereinzelne für sich allein hat, das Psychische, wie wir es heute nennen,als das Subjektive, das nur je einem Individuum angehört. In ihrerEntdeckerfreude beschränkten sie sich zugleich auf das von ihnengefundene Gebiet, wie es auch heute noch die Psychologen bisweilenmachen, und gerade das war wichtig, denn so mußte die allen Indivi-duen gemeinsame Umwelt theoretisch zum Problem werden.Der einzelne Mensch sollte das Maß aller Dinge überhaupt sein. Einefür alleMenschen gültige Erkenntnis der Welt hielt man unter dieserVoraussetzung nicht mehr für erreichbar, und man konnte es auchnicht.
Die Argumentationen der Sophisten waren nichts weniger als„sophistisch“ im schlechten Sinne desWortes. Solange man glaubte,daß dem Individuum nichts anderes als sein eigenes Seelenleben un-mittelbar gegeben ist, — und das glauben ja bis auf den heutigenTag viele Denker — muß es unbegreiflich bleiben, wie der Menschsozusagen aus sich herauskommt und damit fähig wird, die Welt ob-jektiv zu erfassen oder in ihrem Zusammenhang zu erkennen. AlleGedanken über die Dinge, die wir uns machen, sind dann als Ge-danken, d. h. als psychische Vorgänge, lediglich individuell, und dar-aus folgt: wahr darf man das allein nennen, was jedem einzelnen alswahr erscheint. So entsteht zunächst mit Notwendigkeit die Frage,welches Mittel dem Menschen zur Verfügung steht, um eine Wissen-schaft vom objektiven Zusammenhang der Welt zu schaffen.
Wer es dann gewesen ist, der zuerst die griechische Philosophieüber den negativ gerichteten Psychologismus und den sich darausergebenden Subjektivismus oder Relativismus der Sophisten heraus-führte, so daß eine positive Lösung des neuen Problems, wie Er-kenntnis möglich sei, gegeben werden konnte, braucht hier nichtuntersucht zu werden. Wir halten uns an die Tradition. Aristotelessagt, es seien zwei Dinge, die man als Leistungen des Sokrates aner-