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wichtig sein, festzustellen, inwiefern die gesamte europäische, alsoauch die moderne Kultur rationalistisch zu nennen ist, denn es sollja gezeigt werden, inwiefern der Rationalist Kant als Philosophdieser rationalistischen Kultur zu gelten hat. Freilich ist das WortRationalismus vieldeutig. Aber um so mehr Grund besteht, genauanzugeben, in welchem Sinn man von einem europäischen Rationa-lismus im allgemeinen reden kann, und dann zu fragen, wie zu ihmKants Rationalismus sich verhält.
Sehen wir zunächst, was Weber unter Rationalismus als Kenn-zeichen der europäischen oder okzidentalen Kultur versteht, und in-wiefern diese sich dadurch von der Kultur des Orients unterscheidet.Wir teilen im Anschluß an Weber die hierfür wesentlichen Tatsachenmit, ohne zu Einzelheiten kritisch Stellung zu nehmen.
Weber beginnt mit der Feststellung, daß es nur im OkzidentWissenschaft in dem Entwicklungsstadium gibt, welches wirheute als gültig anerkennen. Empirische Kenntnisse, Nachdenkenüber Welt- und Lebensprobleme, philosophische und auch theolo-gische Lebensweisheit tiefster Art, Wissen und Reobachtung vonaußerordentlicher Sublimierung, hat es gewiß auch anderwärts, vorallem in Indien, China, Babylon, Aegypten gegeben. Ueberall jedochfehlt etwas, das nur Europa kennt. So fehlt der babylonischen undjeder anderen Astronomie die mathematische Fundamentierung, dieerst die Hellenen ihr gaben. Der indischen Geometrie fehlte der ra-tionale Beweis. Der ist wiederum ein Produkt hellenischen Geistes,der auch die Mechanik und Physik zuerst geschaffen hat. Das-selbe Prinzip zeigt sich dann überall. Den nach der Seite der Beob-achtung überaus entwickelten indischen Naturwissenschaften fehltedas rationale Experiment. Das ist nach antiken Ansätzen (das Wortsagt vielleicht zu wenig) wesentlich ein Produkt der Renaissance.Es fehlt ferner das moderne Laboratorium, und daher hat die na-mentlich in Indien empirisch-technisch hochentwickelte Medizinkeine biologische und insbesondere keine biochemische Grundlage.Eine rationale Chemie fehlt ebenfalls allen Kulturgebieten außerdem Okzident.
Naturwissenschaft also gibt es nur in Europa, und mit den soge-nannten „Geisteswissenschaften“ steht es nicht anders. Der hoch-entwickelten chinesischen Geschichtsschreibung fehlt das thukydi-