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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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eine allgemeinere Frage zu erörtern, die sich auf die Totalität des füruns wesentlichen geschichtlichen Stoffes bezieht. Die historischenEreignisse, die wir geschichtsphilosophisch behandeln, spielen sich,abgesehen vom ursprünglichen Christentum, alle in Europa abund sind mit Rücksicht hierauf nicht nur verschieden voneinander,sondern haben etwas Gemeinsames. Ist dasEuropäische an ihnenebenfalls so zu charakterisieren, daß es für unser Problem eine Be-deutung gewinnt ? Achten wir darauf, was dem gesamten Okzidentim Unterschied von anderen Teilen der Kulturwelt eigentümlich ist.Durch solche Entgegensetzung läßt sich das Wesen einer Sache oftam besten klar machen. Fragen wir also: gibt es einen Zug in dereuropäischen Kultur, der den anderen Kulturen der Welt fehlt,und der zugleich in Europa so weit verbreitet ist, daß er fürjede Philosophie der europäischen Kultur wichtig werden kann?

Wir knüpfen, entsprechend unserem Vorhaben, Forschungsergeb-nisse vonanderen Gelehrten heranzuziehen, an dieVorbemerkungan, mit der Max Weber seineGesammelten Aufsätze über Reli-gionssoziologie einleitet. Webers Gedankenzusammenhang hat mitder Frage nach der Bedeutung Kants für die moderne Kultur direktnichts zu tun. Aber es wird sogleich klar werden, weshalb trotzdemseine Darlegungen auch für uns lehrreich sind. Er geht davon aus,daß der Sohn der modernen europäischen Kulturwelt universalge-schichtliche Probleme unvermeidbarer und berechtigter Weise unterder Fragestellung behandelt, welche Verkettung von Umständendazu geführt hat, daß grade auf dem Boden des Okzidents und nurhier, Kulturerscheinungen auftreten, welche, doch wie wenigstenswir uns gern vorstellen in einer Entwicklungsrichtung von univer-saler Bedeutung und Gültigkeit liegen. Schon diesen Gesichtspunktkönnen auch wir brauchen, denn unter ihm muß die Eigenart der euro-päischen Kultur im Unterschied von anderen Kulturen zutage treten.

Noch wichtiger aber ist der Inhalt, den Weber an der europäischenKultur hervorhebt. Er zeigt, daß sie im Unterschied vom Orient aufverschiedenen Gebieten ein rationales Gepräge trägt. Die Be-ziehung, welche dieser Umstand zu unserer Fragestellung hat, bedarfkeiner ausführlichen Erörterung. Man spricht viel von KantsRa-tionalismus, und das hat, wenn auch in einem erst genau zu be-stimmenden und eingeschränkten Sinn, Berechtigung. Da muß es