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vollkommen zeitlos erfaßt wäre. Damit gewinnen wir sogleich eineneue Problemstellung, die von dem, was wir bis jetzt gefundenhaben unabhängig ist.
Ja sogar die Richtung, in welcher die Lösung allein liegen kann,ist damit bereits bestimmt. Soll nämlich Kant mit Recht als Philo-soph der modernen Kultur gelten, so muß bei ihm etwas von der Be-Sonderheit zum Ausdruck kommen, die für den modernen Kultur-menschen die Beziehung seiner verschiedenen Kulturgüter aufein-ander kennzeichnet. Wir betrachten daher, um hier klar zu sehen,zunächst das Ganze des modernen Kulturbewußtseins und fragen,wie verhalten sich in ihm die Güter des wissenschaftlichen, des staat-lichen, des künstlerischen und des religiösen Lebens zueinander?Dann stellen wir fest: wie weit entspricht die Totalität des Kanti-schen Denkens der Eigenart dieser Eeziehung, d. h. wie sind hierWissenschaft, Sittlichkeit, Kunst und Religion in ein Verhältnis zu-einander gesetzt? Haben wir darüber Klarheit, dann werden wirsagen können, inwiefern Kant der Philosoph der modernen Kulturgenannt werden darf.
Kant selber freilich hat es sich nie zur eigentlichen Aufgabe ge-macht, eine Klärung des Kulturbewußtseins in dieser Weise zugeben. Ihm kam es vor allem auf die Eigenart und den Eigenwertjedes besonderen Kulturgebietes an, und der Gedanke einer umfas-senden Kultursynthese spielte in seinem Denken keine entscheidendeRolle. Trotzdem bleibt unsere Fragestellung mit dem letzten Sinn,den die Totalität seiner Philosophie besitzt, eng verbunden. Ja nochmehr: vielleicht ist Kant grade durch die Retonung der Eigenart unddes Eigenwertes der verschiedenen Kulturgüter in ihrer Besonder-heit zum Philosophen der modernen Kultur geworden. Was das be-deutet, läßt sich jetzt noch nicht genauer sagen. Zunächst muß ge-zeigt werden, wie Kant dadurch das moderne Kulturbewußtsein,eventuell ohne es zu wollen, faktisch geklärt hat, daß auf Grund seinerForschungen die verschiedenen Seiten des modernen Kulturlebens,die er in ihrer Besonderheit für sich betrachtet, in ein eigenartiges,früher nicht so aufgefaßtes Verhältnis zueinander gebracht werdenkönnen.
Für eine rein wissenschaftliche Würdigung des Kantischen Den-kens, die nach dem zeitlosen Wahrheitsgehalt seiner Hauptwerke