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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
Entstehung
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für die Wissenschaft wie für die Kunst, für das sittliche wie für dasreligiöse Leben, nach zeitlos gültigen Begriffen strebt, muß seineLehre auf die antike oder die mittelalterliche Kultur ebensogut pas-. sen wie auf die moderne. Zwar hat er die gesuchte Ueberzeitlichkeitj nicht überall erreicht, aber soweit er in Meinungen seiner Zeit be-! fangen blieb, ist seine Leistung eben unvollkommen und wird daherf auf keinen Fall das Fundament sein, auf dem wir heute weiterbauen.I So ist z. B. sein Begriff der Wissenschaft zu eng, so blieb seine Kunst-

) Philosophie mehrfach im Geschmack seines Zeitalters stecken, unddieselbe Befangenheit läßt sich auch für Teile seiner Ethik wie seiner] Beligionsphilosophie dartun. Die Weiterbildungen jedoch, die in] dieser Hinsicht an seinen Gedanken vorzunehmen sind, können nichtj in der Richtung liegen, daß sie seine Philosophie mit der spezifisch| modernen Kultur im Unterschied von der antiken und mittelalter-j liehen in eine engere Verbindung bringen. Sie werden vielmehr diej Tendenz zu noch weitergehender Zeitlosigkeit haben, und solange| wir daher bei den einzelnen Teilen des Kantischen Systems verwei-len, muß das Streben dahin gehen, alles bloß Zeitliche, also auchalles spezifisch Moderne daraus zu entfernen, um so zu de m vorzu-dringen, demgegenüber das bloß Moderne höchstens die Bedeutungeines besonderen Beispiels besitzt.

Damit scheint unser Unternehmen von neuem in Frage gestellt,und so bleibt es in der Tat: der Transzendentalphilosoph, der Ethi-ker, der Aesthetiker, wie auch der Religionsphilosoph Kant ist, jeder für sich betrachtet, nicht modern, d. h. er ist mehr als modern, denner arbeitete wie alle großen Philosophen an zeitlosen Problemen undwird hoffentlich auch nie bloß modern werden. Die Problemlösun-gen, die er gefunden hat, sind entweder gültig für alle Zeiten, odersie sind verfehlt und dann für keine Zeit brauchbar.

Trotzdem besteht unsere Fragestellung zu Recht. Wir müssennur, um Kants Philosophie mit dem Eigentümlichen des modernenKulturlebens in Verbindung zu bringen, Zusehen, in welcher Weisein ihr die verschiedenen Sondergebiete, deren zeitloses Wesen vonKant untersucht wird, zu einander in ein Verhältnisgesetzt sind, so daß sie zusammen ein Ganzes bilden. In der Artihrer gegenseitigen Beziehungen könnte etwas spezifisch Modernesselbst dann enthalten sein, wenn die Eigenart jedes einzelnen Teils