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Doch wenn man deren Aufgabe und die Bedeutung, die Kant fürihre Lösung haben kann, so formuliert, scheint das wieder einerein theoretische und trotz aller Beziehungen zur geschichtlichenKultur in der Hauptsache zeitlose Angelegenheit zu sein, die zwardas Interesse auch außerwissenschaftlicher Kreise erwecken kann, esaber immer noch nicht begreiflich macht, weshalb Kant heute leiden-schaftlich bewundert und zugleich leidenschaftlich bekämpft wild,und die uns also noch immer nicht verstehen läßt, was Kant gradefür die moderne Welt bedeutet. Wir dürfen daher bei dem Gedankeneiner Kulturphilosophie überhaupt nicht stehen bleiben. Ihm haftetnoch zu viel Ueberzeitliches, d. h. für alle Kultur Wesentliches an.Seine theoretisch ungemein wichtige Zeitlosigkeit rückt ihn zugleichin eine Sphäre, in der nur noch die kühle Kontemplation zu Hauseist und die Beziehungen zur unmittelbar erlebten Kultur sich lok-kern. Ein vitales Interesse werden weitere Kreise an einem Denkererst haben, wenn es sich bei ihm um Probleme der besonderen Kul-tur handelt, in der sie wirken. Hat Kants Kulturphilosophie aucheine solche, im besten Sinne des Wortes aktuelle Bedeutung ?
Von vornherein leuchtet ein, daß bei einem Denker, dessen Le-bensarbeit ins 18. Jahrhundert fällt, die Bejahung nur in einge-schränktem Sinne möglich ist, und das bedeutet: wir dürfen denKreis der Aktualität und des modernen Menschen nicht zu engziehen. Wir sahen schon: für die Probleme der heutigen Mode istbei Kant nichts zu holen. Eine neue Aussicht eröffnet sich erst,wenn wir den Begriff der modernen Kultur so weit nehmen, daß wirihn von dem der antiken und der mittelalterlichen Kultur unter-scheiden. Das führt dann um mehrere Jahrhunderte bis zur soge-nannten Renaissance und Reformation zurück, gibt aber immer nochAktualität und Zeitlichkeit genug, denn die antike und mittelalter-liche Kultur sind heute durchaus nicht tot. Sie leben auch in unsererZeit insofern weiter, als jeder Kulturmensch in die Lage kommenkann, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und dann zu fragen, inwie-fern er im Gegensatz zu ihnen ein moderner Mensch ist oder sein will.
Trotzdem sind wir mit der Besinnung auf die Fragestellung nichtfertig, denn noch eine neue Schwierigkeit entsteht. Die Beziehungvon Kants Begriffen auf die Probleme der Kultur überhaupt ändertfür sich allein an dem früheren Ergebnis nichts. Da Kant überall,