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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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chologisch, teils metaphysisch orientierten Zeitphilosophie nicht vielzu sagen haben, was man für zeitgemäß halten kann.

Doch Kant hat außerdem die Kritik der praktischen Vernunft ge-schrieben, und ist es nicht vor allem seine Ethik, durch die er weiteKreise in seinen Bann zieht?

Vielleicht. Aber auch mit Rücksicht auf das sittliche Leben läßtsich nicht einsehen, weshalb Kant der Philosoph grade unserer Tageoder irgendeiner besonderen Zeit sein soll. Er wollte nach seiner aus-drücklichen Erklärung nicht einen neuen Grundsatz aller Sittlich-keit einführen, kein neues Piinzip der Moralität geben, sondern nureine neue Formel aufstellen, und er verglich seine Leistung selbst mitdem, was der Mathematiker tut. Nach Kants eigner Absicht han-delt es sich hier wie in seiner transzendentalen Logik um eine reintheoretische, zeitlose Angelegenheit. Wer also Kant als Begründerder modernen Sittlichkeit feiert, hat ihn ebenso gründlich mißver-standen, wie diejenigen, welche in der Kritik der reinen Vernunfteine neue Psychologie oder eine neue Metaphysik sehen. Kant wen-dete sich mit der Kritik der praktischen Vernunft an alle Menschen,ja analle vernünftigen Wesen überhaupt, und er hätte es auf dasentschiedenste abgelehnt, sittliche Normen für diese oder jene Zeitfestzulegen, so wenig wie es ihm in den Sinn gekommen ist, dasWesen der Wissenschaft für einen begrenzten Abschnitt ihrer Ent-wicklung zu bestimmen.

Nicht anders aber steht es im Prinzip mit Kants Intentionen beiseinen Leistungen für die übrigen Gebiete, auf denen seine For-schung bedeutsam geworden ist. So gewiß es erst seit seiner Ab-grenzung des Schönen gegen das Wahre, Gute und Angenehme eineAesthetik, wie wir dies Wort jetzt verstehen, als selbständige Wis-senschaft gibt, so gewiß werden darin Fragen behandelt, die für unsheute nicht etwas grundsätzlich anderes bedeuten als für die wissen-schaftlichen Menschen anderer Jahrhunderte. Sie betreffen dieKunst aller Zeiten, d. h. Kant will das zum Bewußtsein bringen,worauf die Schönheit eines antiken oder eines mittelalterlichen Wer-kes ebenso beruhtwie die eines künstlerischen Gebildes der Gegenwart.

Vollends braucht nicht ausdrücklich gezeigt zu werden, daß inKants Lehre von der organischen Welt, wie in der Kritik der teleo-logischen Urteilskraft überhaupt, nicht etwas spezifisch Modernes